Head over Heels

 

Teil 1

 

 

Die Kerze war fast vollständig heruntergebrannt und ihr letztes, sterbendes Licht verbreitete sich flackernd in dem dunklen Zimmer. Es gab hier oben keine Heizung und die Kälte der Nacht war durch die Mauern des einst so prächtigen Hauses gekrochen, verteilte sich in den Fluren und Räumen, so dass jeder Atemzug einen dünnen Schleier vor die Lippen rief.

Hank Summers spürte sie nicht. Seit dem frühen Abend hatte er sich mit einer angebrochenen Flasche Gin zurückgezogen und starrte sinnend auf sein leeres Gas, welches im Schein des brechenden Kerzenlichtes funkende Muster auf seiner Hand widerspiegelte.

 

Alt war er geworden, alt und schwach. Der einst so prächtige Hof war bankrott gewirtschaftet. Die letzten noch wertvollen Gegenstände waren verkauft und bis auf ein paar Möbel war ihnen vorerst nichts geblieben. Seit zwei Jahrhunderten war das Gut in ihrer Familie gewesen und in nur knapp einem Jahrzehnt war es den Bach herunter gegangen. Falsche Geldanlagen, Inflation und schlechte Geschäfte hatten ihn schließlich in den Ruin getrieben und nachdenklich schaute er in das sterbende Licht der Kerze auf dem kleinen wackeligen Abstelltisch.

 

Seit dem Tod seiner Frau vor neun Jahren war jede Lebensenergie in ihm erloschen. Seine Arbeit hatte er aufgrund seiner Krankheit an den Nagel hängen müssen und nun war er am Ende angelangt. Demnächst waren wieder Steuern für das Grundstück fällig und jede auch noch so kleine Reserve war aufgebraucht. Sogar den Schmuck seiner Tochter, ein Erbe ihrer Mutter, hatte er zum Pfandleiher bringen müssen.

 

Er war ein Versager…

Soviel hatte er sich damals bei ihrer Geburt für sie ausgemalt. Studieren sollte sie, ferne Länder bereisen, ein gutes Leben haben und was daraus geworden? Sie hatte einen gewaltigen Teil ihrer Jugend damit vergeudet ihren depressiven Vater zu betreuen… Kaum hatte er den Gedanken zu Ende gebracht, da öffnete sich auch schon die Tür mit einem leisen Quietschen und ein blonder Schopf streckte sich suchend durch den Spalt.

 

„Pa? Hier ist es ja eiskalt! Hast du deine Tabletten schon genommen? Du musst ins Bett.“ Wie immer war Buffy liebevoll besorgt und legte ihre Hände auf seine Schultern.

 

„Was machst du überhaupt hier?“ Fragend sah sie sich im Dämmerlicht um.

 

Es gab nichts in diesem Zimmer, außer einem von Motten zerfressenden Ohrenbackensessel und einem morschen Abstelltisch. Die einst bunt gemusterte Tapete war grau und hing an den Zimmerecken schon traurig in Streifen herab und die Fenster waren beinahe blind, da sie schon seit Monaten keinen Lappen mehr gesehen hatten.

 

Die obere Etage war eigentlich nicht mehr bewohnt, denn schon vor Jahren waren sie in die letzen drei bewohnbaren Räume gezogen, welche im Prinzip aus einer kleinen Wohnküche und zwei Schlafzimmern bestanden. Besuch bekamen sie schon lange nicht mehr.

 

Die wenigen Verwandten lebten weit entfernt und schämten sich außerdem für einen psychisch labilen Familienangehörigen. In der angrenzenden kleinen Stadt kannte man zwar die Summers, allerdings rankten sich die merkwürdigsten Gerüchte um die beiden letzten Bewohner des einst so schönen Herrenhauses. Und so wurde die kleine Buffy meist nur neugierig begafft wenn sie einkaufen ging, um sofort hinter ihrem Rücken weiterzutuscheln.

 

Sogar in der Schulzeit war sie ein Einzelgänger gewesen. Der frühe Tod ihrer Mutter und die Sorge um den kranken Vater, hatten aus dem einst fröhlich lebenslustigen Kind eine ernste junge Frau werden lassen, auf deren Schultern die ganze Verantwortung lag. Nicht einmal einen vernünftigen Beruf hatte sie lernen können. Zu früh waren die Geldreserven verbraucht gewesen um eine Pflegerin für ihren Vater zu bezahlen. Die Krankenversicherung war nur auf das Nötigste beschränkt und so, war es an ihr gewesen sich um den Kranken nach ihrer Schulzeit zu kümmern.

 

Sie war erst 12 gewesen als ihre Mutter von ihr gegangen war. Viel zu früh um die Last zu tragen, aber sie war stark gewesen, hatte kaum Zeit gehabt lange zu trauern, denn ihr Vater benötigte alle Aufmerksamkeit. Manchmal, in ihren Träumen, sah sie sie noch mit ihr im Garten spielen, roch ihren typischen Veilchenduft und winkte ihrem Vater zu , der von der Arbeit gekommen war und glücklich auf sie zukam und zärtlich umarmte.

 

Sie hatte Hank inzwischen hinunter gebracht und fürsorglich eine Decke um die Schultern gelegt. Sie mussten Geld sparen, also war nur die winzige Wohnküche beheizt, aber die Kälte zog trotzdem durch die Mauern, die dringend einer Renovierung bedurften. Der Teekessel dampfte auf dem altersschwachen Herd, ein Überbleibsel aus einem anderen verlassenen Teil des Gebäudes, was einst eine Großküche gewesen war. Mit bestimmendem Blick reichte sie ihm ein Glas mit Wasser und ein paar Tabletten, die gegen seine Gemütsschwankungen helfen sollten, aber sie wusste, dass ihr Vater eigentlich eine vernünftige ärztliche Betreuung brauchte, eine Kur oder ein Sanatoriumsaufenthalt. Nur weigerte er sich standhaft, dass seine Tochter irgendeinen billigen Job als Kellnerin annahm, geschweige denn das Haus endlich zu verkaufen.

 

Natürlich kannte sie die Geschichte und irgendwo hing sie ebenso an diesem alten Gemäuer, in dem schon Generationen vor ihr gelebt hatten. Und sie war sich auch klar darüber, dass sie selbst mit zwei Jobs niemals das Geld aufbringen konnte um ihrem Vater die nötige Behandlung zukommen zu lassen.

 

„Clearwater darf niemals in fremde Hände gelangen“ hörte sie ihren Vater hinter sich sprechen, als wenn er ahnte wohin ihre Gedanken gingen und sie fühlte sich ein wenig an den Film ‚Vom Winde verweht’ erinnert. Doch dies war nicht Tara, sie lebten im 21. Jahrhundert, auch wenn die Zeit an ihnen vorbeigerauscht zu sein schien.

 

Ihr einziger Fernseher hatte schon vor Monaten sein elektronisches Leben ausgehaucht, einen Computer hatte sie nie besessen und außer einem Radio gab es kaum etwas in diesem Haus, von dem sie etwas von der Außenwelt erfuhr.

 

Ihre wöchentlichen Besuche in der typisch amerikanischen Kleinstadt beschränkten sich auf Einkäufe und den obligatorische Gang zur Bank. Die Hypothek, die auf dem Gebäude lag, war eh schon weitaus höher als der Wert des Grundstücks und an manchen Tagen drohte selbst eine Buffy Summers daran zu verzweifeln.

 

„Ich habe heute Everett angerufen…“ Erstaunt ruckte ihr blonder Kopf in die Höhe und sie starrte ihren Vater überrascht an.

 

„Deinen alten Schulfreund? Du erzähltest mir doch, er lebt in Sunnydale, ist doch schon vor vielen Jahren hier weggezogen…“

 

Sie kannte alle alten Geschichten von ihm. An guten Tagen erzählte er wie ein Wasserfall aus vergangenen Zeiten und sie liebte es ihm zuzuhören, wenn er aus einer Zeit berichtete, wo er so alt gewesen war wie sie jetzt und ihre Mutter kennen lernte.

 

Traurig nickte Hank und schielte vorsichtig zu seiner Tochter, die den dampfenden Kessel vom Herd nahm um die großen Becher mit der heißen Flüssigkeit zu füllen.

 

„Ja, er war dort verheiratet, ist aber inzwischen geschieden.“

 

Buffy nickte zu den Worten und schob ihm einen der Becher in die Hand.

 

„Weißt du, er versucht eine eigene kleine, sehr exklusive Hotelkette zu eröffnen und sucht noch geeignete Objekte.“

 

Beinahe verschluckte Buffy sich an dem Tee und prustete hustend los.

 

„Du hast doch nicht vor Clearwater zu verkaufen?“ Erstaunt zwinkerte sie und schüttelte energisch den Kopf.

 

„Nein… aber er hat mir einen anderen Vorschlag gemacht.“

 

Fragend wartete sie weiter auf eine Erklärung, doch Hank schien mit seinen Gedanken schon wieder weit weg zu sein.

 

„Pa?“

 

In seine Augen kam wieder Leben und er schüttelte kurz seinen ergrauten Kopf, als wenn eine große Bürde auf ihm lasten würde.

 

„Nun, er ist natürlich sehr daran interessiert. Das Haus wäre ideal als Hotel. Die ländliche Gegend, gute Luft, weit reichende Wandergebiete. Ich hab ihn von unserer Situation erzählt und auch, dass Clearwater in der Familie bleiben soll … weißt du, er hat zwei Söhne in heiratsfähigem Alter.“

 

Der Becher mit dem Tee rutschte ihr aus der Hand und zerbarst auf dem billigen Linoleum, Flüssigkeit breitete sich unter ihren Füßen aus und verteilte sich dampfend auf dem Küchenboden.

 

„Schatz, ich weiß dass ich das nicht von dir verlangen kann, aber sein Angebot ist verlockend. Er würde mich in einem erstklassigen Sanatorium unterbringen. Die Hypotheken bezahlen und das Haus würde ja trotzdem in der Familie bleiben, da du es ja praktisch als Mitgift bekommst.“

 

Er sah zu, wie Buffy mit einem Putzlappen die Bescherung beseitigte und zog seine Füße ein wenig beiseite, damit sie besser wischen konnte. „Natürlich kann ich  das nicht von dir erwarten Kindchen. Nicht nach all der Zeit, aber…“

 

Sie schob die letzten Scherben auf ein Blech und sah zu Hank herauf, der den Satz nicht zu Ende gebracht hatte.

 

„….Aber es klingt sehr vernünftig Pa.“

 

Erstaunt zwinkerte der alt gewordenen Mann und blinzelte zu ihr herunter.

 

Mit zusammengebissenen Zähnen wischte sie den Boden wieder sauber und nickte zustimmend. Nein, es war ein Licht am Horizont für ihren Vater… Auch in diesem fortschrittlichen Zeitalter wurden noch Vernunftehen geschlossen und ehrlich gesagt, war dies sogar die Lösung aller Probleme…auch wenn ihr bei dem Gedanken schlecht wurde

 

 

Sunnydale, nächster Tag

 

 

„Hast du einen Knall?“ Wütend schleuderte William seinen Helm in eine Ecke und trat mit geballten Fäusten auf seinen Vater zu, der ihm soeben einen, wie er meinte ‚grandiosen Vorschlag’ gemacht hatte, kaum das er das Haus betreten hatte.

 

„Warum, Dad hat Recht. Soweit ich aus diesen Unterlagen erkennen kann, ist das Haus eine Goldgrube für uns…“

 

„Das war ja sooo klar, dass du wieder zu ihm hältst, Liam.“ Zynisch sah William seinen älteren Bruder an und schob sich genervt die Finger durch die blond gebleichten Haare.

 

„Hallo? Wir leben nicht mehr im Mittelalter! Heiraten wegen einer alten Hütte, bei euch piept’s!“

 

Zur Verstärkung seiner Worte tippte sich William noch einmal mit dem Zeigefinger an die Stirn und schälte sich dann erst einmal seiner Motorradjacke um sie dann achtlos zu dem Helm zu werfen.

 

Wütend musterte er seinen Vater, der ihn beinahe gleichgültig dabei zusah und mit Liam bedeutungsvolle Blicke wechselte.

 

„Du solltest dir das hier erst einmal ansehen mein Sohn, dann kannst du immer noch nein sagen.“ Dabei tippte er auf einige Unterlagen, die auf dem wertvollen Flurtischchen neben ihm lagen.

 

Augen rollend und wissend, dass sein Vater nicht eher ruhen würde, bis er es sich angesehen hatte, griff William nach den Unterlagen und blätterte missmutig durch das Papier, um  kurz darauf mit einem anerkennenden Pfiff, die Dokumente seinem Vater zu reichen.

 

„Nicht schlecht, aber nein danke. Wenn Liam sich meistbietend verkaufen will, kann er das gerne tun. Ich hab keine Lust auf eine kleine hässliche Landpomeranze, egal was sie einbringen würde, also lasst mich dabei aus dem Spiel.“

 

„Woher wusste ich nur, dass er das sagen würde?“ Grinsend zuckte Liam mit den Schultern und zog sich in den hinteren Teil des Hauses zurück, wo Giles, der Hauswirtschafter, bereits zum Essen geläutet hatte.

 

Wenige Minuten später saßen sie zu dritt an dem für mindestens 20 Personen ausgelegten Esstisch und diskutierten immer noch über die Möglichkeiten, die Clearwater ihnen bringen konnte.

 

„Nun, ich habe das Mädchen eingeladen einige Zeit bei uns zu verbringen. Dann könnt ihr euch immer noch entscheiden Jungs. Laut Hank ist sie übrigens ausgesprochen hübsch, die Kleine…“

 

„Na klar. Tante Hattie findet Cousine Carolin auch entzückend“ grummelte William, der in der Familie aufgrund seiner spitzen Zunge allgemein ‚Spike’ genannt wurde.

 

Vor seinem inneren Auge materialisierte sich das Bild besagter Cousine und es schüttelte ihn bei dem Gedanken an blau gesträhnte Haare, mindestens 70 Pfund Übergewicht und einem Überbiss, der jeden Kieferorthopäden einen Neuwagen einbringen würde.

 

„Überhaupt, was ist das für ein Name … Buffy.“

 

Er kicherte und wurde mit einem strafenden Blick seines Bruders bedacht.

 

Obwohl sie Brüder waren, hätten die beiden nicht unterschiedlicher sein können.

 

Liam, war der ältere und größere von den beiden. Er war immer der bessere Schüler gewesen, hatte in Yale studiert und natürlich als Klassenbester abgeschnitten. Sein Benehmen war stets korrekt, höflich und auch sein Erfolg in der Firma ihres Vaters war unumstritten.

 

Spike hingegen war stets der Rebell gewesen. Mit Ach und Krach das College absolviert um dann eine nicht gerade mit Erfolg gekrönte Karriere bei Motorradrennen zu beginnen und aufgrund eines bösen Unfalls wieder abzubrechen.

 

Danach  war er eine Weile in der Welt herumgetrampt um, wie er sagte ‚sich auszuleben’ und nun war er schon seit fast einem Jahr wieder daheim.

 

Er verbrachte seine Zeit damit an seinem Mottorad herumzuschrauben und manchmal tagelang in Bars herumzulungern um Partys zu feiern. An Geld mangelte es, dank seinem Vater natürlich nicht, was ihm sein Bruder natürlich beinahe täglich unter die Nase rieb.

 

Bei geschäftlichen Empfängen im Haus liebte er es als einziger in zerrissenen Jeans und neuerdings blond gefärbten Haaren die ‚Bessere Gesellschaft‘ zu schocken und tat auch sonst möglichst alles um nicht in das typische ‚Sohn aus gutem Hause Bild’ zu passen.

 

Everett fand sein Benehmen zwar nicht passabel und war geschockt über das Auftreten seinen Sohnes, aber er liebte seine Jungs abgöttisch und so ließ er ihm beinahe jeden Fauxpas durchgehen.

 

„Hey, wenn Liam so scharf auf das Haus ist, soll er sie doch heiraten, wird eh Zeit, dass der Knabe unter die Haube kommt. Die Damen der guten Gesellschaft bekommen sonst irgendwann ihre Dollarzeichen nicht mehr von den Kontaktlinsen wenn sie unseren Süßen hier treffen.“

 

Ärgerlich wischte sich Liam den Mund mit der Serviette ab und knallte sie auf den leeren Teller. Er hasste es, wenn William so über ihn sprach, auch wenn er Recht hatte. An Angeboten hatte es dem beinahe 30jährigen nie gemangelt, auch nicht an Freundinnen, aber nie war eine passende ‚Partie’ dabei gewesen, wie er so schön zu sagen pflegte. Sein gutes Aussehen trug auch dazu bei, dass er stets ein willkommener Gast auf Gesellschaften war. Geld gepaart mit Schönheit, das war es, was man sehen wollte.

 

Es war ihm unangenehm stets von Frauen aller Altersklassen umgarnt zu werden, von denen die meisten nur auf sein Vermögen scharf waren. Auch ihn hatte der Vorschlag seines Vaters zunächst schockiert, aber dann hatte er sich überlegt, dass es gar nicht so übel war.

 

Diese Frau wusste von vornherein dass es sich um eine reine Geldehe handeln würde und mit ein wenig Arrangement konnte man sich sicher einigen. Beide würden bekommen was sie wollten. Er das zukünftige Hotel, sie die Sicherheiten und ein jeder ging seiner Wege.

 

„Ich würde sagen, es wäre auch eine Zumutung für jede Frau so etwas wie dich zu heiraten“ meinte er hochnäsig und stand dann auf um in seinem Büro noch einige Arbeiten zu erledigen.

 

„Sorry, Brüderlein, ich habe auch nicht vor irgendwann einmal zu heiraten, keine Sorge. Und wenn dieses Wunder jemals passieren sollte, dann muss es funken und nichts anderes.“

 

Everett blinzelte ein wenig überrascht auf, denn eine so romantische Einstellung hätte er seinem Jüngsten nicht zugetraut, allerdings hatte er auch nie daran gezweifelt, dass Liam sowieso eher das Gefallen dieser Buffy finden würde.

 

„Na dann, lasst den Dorftrampel antanzen, aber lasst mich aus dem Rennen. Ich werde mich so lange verp...“ Der strenge Blick seines Vaters ließ ihn das unflätige Wort verschlucken und frech grinsend legte er seine Springerstiefel, die er immer zum Fahren trug auf den leeren Platz neben sich hoch.

 

„Pfff. Ja ja, ich weiß schon … na gut, ich bleibe und werde mir die Romanze zwischen den Turteltäubchen antun. Aber erzählt der Tussi bloß nicht, dass ich zur Familie gehöre. Lasst euch etwas einfallen, meinetwegen spiel ich den Chefmechaniker eures Fuhrparks oder so was in der Art.“

 

 

Einige Tage später

 

Nervös nagte Buffy an ihrer Unterlippe als sie aus dem Zug stieg und sich auf dem Bahnhof umsah.

 

Jemand würde sie abholen hatte man ihr am Telefon gesagt und sie sah sich suchend um. Auf dem Bahnsteig war ein einziges Gewimmel von ein- und aussteigenden Menschen und so wartete sie erst einmal ab bis sich der Trubel ein wenig gelegt haben würde.

 

Ihre Reisetasche war alt und abgewetzt, doch es war das Einzige gewesen, worin sie ihre spärliche Kleidung hatte packen können. Gestern hatte sie ihren Vater noch in die Klinik begleitet und sich vergewissert, dass er wirklich in den besten Händen war, die man sich vorstellen konnte und nun war sie schon angelangt und hatte keine Ahnung was sie erwartet

 

 

Dieser Everett Montgomery hatte es wirklich an nichts mangeln lassen um ihren Vater so gut es ging zu versorgen und auch ihre Fahrkarten bezahlt. Eigentlich hatte sie fliegen sollen, aber Buffy wollte nicht mehr Kosten verursachen als unbedingt nötig und hatte dankend abgelehnt.

 

Der Gedanke daran, dass es ihrem Vater gut gehen würde tröstete sie ein wenig darüber hinweg, dass sie sich vor Angst und Nervosität kurz vor dem durchdrehen war. Vor ihrem geistigen Auge hatte sie sich schon ausgemalt, was sie erwarten würde und die Gedanken waren nicht gerade beruhigend gewesen.

 

Wie grottenhässlich oder verschroben  mussten diese Söhne von Everett Montgomery sein, dass er sie sozusagen um den Preis eines halb verfallenen Hauses praktisch verkaufen musste?

 

Sie hatte nie Zeit gehabt sich über romantische Gefühle Gedanken zu machen, geschweige denn so etwas wie eine Beziehung aufzubauen. Eine Weile hatte der Postbote Andeutungen gemacht, dass er interessiert wäre, aber der war verheiratet gewesen und sicher nicht das, was sie sich früher einmal als Partner fürs Leben erträumt hatte. Natürlich hatte sie in ihrer Phantasie ihren Traumprinzen gehabt, aber sie war früh genug erwachsen geworden um zu erkennen das es für sie kein Himmel voller Geigen geben würde.

 

„Ms. Summers?“ Sie hatte nicht einmal gemerkt wie sich der ältere, streng aussehende Mann mit Brille und typisch britischem Tweedanzug ihr genähert hatte und sie fragend ansah.

 

„Mr. Montgomery?“ Sie hatte sich diesen Everett ganz anders vorgestellt und doch war sie erleichtert, dass ihre schlimmen Erwartungen sich nicht erfüllten.

 

„Nein, ich bin Rupert Giles, der Verwalter. Ist das Ihre Tasche? Darf ich?“ Ohne auf Antwort zu warten, nahm er ihr mit skeptischem Blick die Reistasche aus der Hand und sah verwirrt ein wenig hin und her, als wenn er nicht glauben konnte, dass dies alles an Gepäck sein konnte.

 

Buffys Erleichterung zerplatzte wie eine Seifenblase und zögernd nickte sie dem nett aussehenden älteren Herren zu, der einladend seine Hand erhoben hatte, so dass sie vorgehen sollte. Sie hatten kaum den Bahnhof verlassen als er wieder vorging um ihr dann auch schon die Tür von einer 8-Sitzer-Luxuslimousine zu öffnen, die direkt vor dem Gebäude geparkt hatte. Beinahe ehrfurchtsvoll tauchte sie in das Innere des Wagens und sah zu wie sich die getönten Scheiben hochschoben und Mr. Giles sich an das Steuer setzte.

 

„Wenn Sie Durst haben, Miss, dann bedienen Sie sich bitte an der Bar“ näselte er noch, dann schob sich eine weitere Scheibe zwischen die junge Frau und dem Verwalter und sie war völlig allein in dem luxuriös ausgestatteten Wageninneren.

 

Nein, Durst hatte sie nicht und sie wollte auch gar nicht wissen, was sich in dem Barfach vor ihr alles an Getränken befand. Zu überwältigt war sie von dem was bisher geschehen war. Diese Familie hatte einen Verwalter! Und ein Auto in dem eine Baseballmannschaft Platz hatte. Was würde sie noch alles erwarten?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Teil 2

 

 

Die Fahrt dauerte fast eine halbe Stunde und als das Auto endlich zum Stillstand kam, traute sie sich kaum auszusteigen, so nervös war sie geworden. Doch dann wurde ihr von Giles auch schon die Tür geöffnet und sie musste sich zwangsläufig stellen. Ergriffen sah sie das große, moderne Gebäude vor sich, in dessen angrenzenden Garagen schon ganze Familien hätten untergebracht werden können und ihre Unterlippe fing allmählich an zu schmerzen vom vielen Herumkauen.

 

Sie stiegen die Stufen bis zum Eingang empor und nachdem ihr Giles die Tür geöffnet hatte blieb ihr beinahe der Atmen stehen. So ähnlich musste einst das Innere von Clearwater ausgesehen haben. Feinster Marmor auf dem Boden, edle Vertäfelungen, exquisite, antike Möbel und eine Eingangshalle, die einem Königshaus würdig war. Entgegen dem modernen Äußeren des Hauses, war es drinnen beinahe so, als wenn man in ein anderes Jahrhundert eintauchen würde und schweigend folgte sie dem Angestellten die Stufen hinauf.

 

Eine Etage höher zweigte ein Flur ab und der dicke Teppichboden schluckte förmlich ihre zaghaften Schritte. Überall an den Wänden hingen Bilder bekannter Maler und sie war sich sicher, dass es keine billigen Reproduktionen waren.

 

Eine weitere Tür öffnete sich und mit Erstaunen musterte sie ihr neues Zimmer, dass für eine Weile ihr neues Zuhause sein würde, vielleicht sogar für immer

 

Wieder schien sie in eine andere Zeit einzutauchen. Ein großes Himmelbett aus beinahe schwarzem Holz dominierte den Raum, gegenüber stand ein wundervoll geschnitzter Schrank an der weiß verputzten Wand und nur ein Fernsehgerät auf dem schönen antiken Schreibtisch zeugte davon, dass sie immer noch im 21. Jahrhundert war.

 

„Das Gästezimmer, ich hoffe es entspricht Ihrem Geschmack“ erklärte Giles würdevoll und stellte ihre schäbige Reisetasche neben das mit gedrechseltem Holz verzierte Bett.

 

Mit einmal kam sich Buffy furchtbar klein und schäbig vor. Sie hatte sich nie Gedanken um Mode oder Aussehen gemacht, doch Angesichts dieser Pracht wurde sie sich ihres Äußeren mehr als bewusst. Niedergeschlagen schaute sie an ihren abgewetzten Jeans herunter und zupfte verschämt an ihrem ausgeleiertem Sweatshirt herum.

 

Himmel, was wenn man sie postwendend wieder nach Clearwater schickte? Was würde dann aus ihrem Vater? Die ängstlichen Gedanken weit von sich schiebend lächelte sie nun dankbar Giles an und nickte höflich.

 

„Es ist traumhaft, danke.“

 

„Gut, ich denke Sie wollen sich sicher gleich ein wenig frisch machen. Das Bad ist gleich gegenüber. Wenn Sie fertig sind, dann kommen Sie einfach ins Wohnzimmer, Mr. Montgomery erwartet Sie sicher schon.“

 

Damit verabschiedete sich der Mann und ließ Buffy allein in dem Raum. Hastig griff sie nach ihrer Tasche und zog den kleinen Kulturbeutel heraus um dann sofort ins Bad zu eilen.

 

Dort war sie erst einmal überwältigt von dessen Größe. Im Gegensatz zu der Einrichtung war dieses eher futuristisch zu nennen, mit einer in den Boden eingelassenen runden Wanne und Armaturen, die den Gegenwert eines Kleinwagens haben mussten.

 

Energisch strich sie sich mit der Bürste über die Haare und putzte sich noch einmal ordentlich die Zähne. Für Make-up und derartiges war nie Geld übrig gewesen und zum ersten Mal in ihrem Leben machte sie sich Sorgen um ihr Aussehen.

 

Eigentlich hätte sie sich noch umziehen wollen, aber der Gedanke Mr. Montgomery warten zu lassen schreckte sie mehr, also eilte sie sofort nachdem sie fertig war den Flur wieder herunter um in die Eingangshalle zu eilen.

 

Wohnzimmer? Hilfe, sie hatte nicht gefragt wo das Wohnzimmer überhaupt war und so nahm sie einfach eine der 3 Türen, die von der Halle aus erreichbar waren.

 

Nein, das war definitiv kein Wohnzimmer, sondern ein Büro und die junge Dame mit den langen dunklen Haaren, die fleißig an einem PC tippte, sah sie erschrocken an.

 

„Kann ich Ihnen helfen?“ fragte sie mit einem Stirnrunzeln und einem musternden Blick, der Buffy die Schamröte ins Gesicht trieb. Sie kam sich klein und schäbig vor angesichts dieser überaus eleganten jungen Dame, die sich nun erhoben hatte und über ihren engen knielangen Rock strich um imaginäre Flusen zu entfernen.

 

„Wohnzimmer?“ hauchte Buffy ergriffen und starrte die Sekretärin an wie das 8. Weltwunder.

 

„Bitte? Ach, Sie sind sicher Mr. Summers. Everett erzählte mir, dass Sie kommen… Das Wohnzimmer ist gleich gegenüber.“ Die junge Frau hatte einen leicht arroganten Ton und wies Buffy nun freundlich aber bestimmend die Tür.

 

„Wenn Sie mich entschuldigen, ich muss arbeiten“ näselte sie und schob das überraschte Mädchen einfach wieder heraus.

 

Zögernd durchquerte Buffy nun wieder die Halle um dann mit klopfenden Herzen vor der gegenüberliegenden Tür stehen zu bleiben. Diesmal wollte sie keinen Fehler begehen, sondern klopfte erst einmal zaghaft an.

 

„Herein“ dröhnte es an ihren Ohren und sie holte tief Luft um dann einzutreten.

 

„Ahh, da sind Sie ja, kommen Sie herein, nehmen Sie bitte Platz, möchten Sie etwas trinken? Ach, ich überfalle Sie ja komplett. Ich bin Everett Montgomery der Dritte und Sie sind sicher Buffy Summers.“

 

Überrascht klimperte Buffy mit ihren Augenlidern und sah verlegen auf den Herrn vor ihr. Freundlich reichte sie ihm ihre Hand und wieder wurde ihr bewusst wie schäbig sie doch im Vergleich zu dem gutaussehenden, älteren Mann vor ihr wirken musste.

 

Er hatte dunkelblonde Haare, war groß und kräftig gebaut ohne dick zu sein. Sein gebräuntes Gesicht hatte schon einige kleiner Falten um Augen und Mund, die verrieten das er die 50 schon überschritten hatte und er strahlte eine Autorität aus, die Buffy erst einmal den Atmen raubte.

 

„Bitte nennen Sie mich Everett, das tut jeder hier.“

 

Gehorsam ließ sich Buffy in den nächsten Sessel fallen und traute sich jetzt erst umzusehen. Unaufgefordert reichte Everett ihr ein Glas mit einer honigfarbenen Flüssigkeit und setzte sich dann ihr direkt gegenüber. Er bemerkte ihre Unsicherheit und lächelte sie beruhigend an.

 

„Sie sind sicher nervös, nicht wahr? Ich bin es auch, wenn ich ehrlich bin. Sicher sind Sie schon neugierig was Sie hier so erwartet, ich hoffe aber dass es Ihnen bei uns gefallen wird. Fühlen Sie sich wie Zuhause. Wenn Sie in die Stadt wollen, sagen Sie einfach Giles Bescheid, der fährt Sie, oder Sie nehmen sich einfach einen Wagen…“

 

Sie sackte noch ein wenig tiefer in den Sessel und war dankbar etwas in der Hand halten zu dürfen auf das sie sich konzentrieren musste, ansonsten wäre sie wahrscheinlich in ein nervöses Zittern ausgebrochen.

 

Sie nickte zaghaft und traute sich kaum den Mund aufzumachen, so beeindruckt war sie von dem freundlichen Empfang. In ihrer wirren Fantasie hatte sie sich Everett als widerlichen alten Sack ausgemalt, der geifernd darauf bedacht war sich Clearwater unter den Nagel zu reißen, aber es schien nicht so auszusehen, als ob sie das alte Anwesen wirklich nötig hätten für irgendwelche Geschäfte.

 

„Es ist … einfach traumhaft hier“ krächzte sie heiser und war erleichtert, dass sie endlich überhaupt einen Satz zustande gebracht hatte.

 

Everett lächelte sie gewinnend an, zwinkerte ihr zu und kurze Zeit später schien das Eis endgültig gebrochen zu sein. Sie unterhielten sich ein Zeitlang über Hank, seine Krankheit und darüber wie Everett und er ihre gemeinsame Jugendzeit verbracht hatten.

 

Sie merkte nicht wie die Zeit verflog während ihrer angeregten Unterhaltung und nippte kurz an ihrem Glas, bekam aber augenblicklich einen Hustenkrampf  als die scharfe Flüssigkeit ihre Kehle herunter rann.

 

Lachend war der ältere Mann aufgestanden und klopfte dem Mädchen mitleidig auf den Rücken. „Ich glaube Sie sind Brandy nicht gewöhnt“ kicherte er und amüsierte sich über ihre geröteten Wangen, die der Schluck bei ihr ausgelöst hatte.

 

„Ich glaube, es ist an der Zeit, dass Sie sich hier einmal umsehen und sich mit allem bekannt machen. Mein Sohn Liam wird sowieso sicher nicht vor 5 aus der Firma kommen.“

 

„Sehr gerne Mr. M… Everett“ lächelte Buffy dankbar und konnte sich trotzdem ihre weitere Frage nicht verkneifen. „Und wo ist Ihr anderer Sohn? William, wenn ich mich nicht verhört habe?“

 

Sie spürte sie sofortige Verlegenheit ihres Gegenübers und bereute ihre Frage, aber Everett schien sich schnell zu fangen.

 

„Nun, er … ist für einige Zeit geschäftlich unterwegs, aber Sie werden ihn sicher bei Gelegenheit noch kennen lernen. Seien Sie einfach um 18 Uhr zum Essen wieder da.“

 

Ein wenig irritiert ließ sie sich von ihm hinaus begleiten.

 

Sie hatte insgeheim irgendwo noch die Hoffnung gehabt sich wenigstens zwischen Zweien entscheiden zu dürfen, oder zumindest die Sympathie entscheiden zu lassen, aber damit war ihr nun auf unmissverständliche Weise klar gemacht worden, dass wohl nur dieser Liam für eine Heirat in Frage kam.

Nun, zumindest hatte sie nun nicht mehr solche Angst davor ihn kennen zu lernen, und in dem Gespräch mit Everett war ihr auch zu verstehen gegeben worden, dass sie sich zu nichts gezwungen fühlen musste.

 

„Ich habe leider noch etwas zu erledigen Buffy, aber schauen Sie sich doch einfach überall um. Der Garten ist um diese Jahreszeit besonders hübsch“

komplimentierte er sie praktisch aus dem Haus heraus und Buffy war erleichtert, dass sie die Gelegenheit bekam die Eindrücke ein wenig auf sich wirken zu lassen.

 

Nachdem Everett sie in der Empfangshalle einfach stehen ließ und im  Büro verschwunden war, überlegte sie ein wenig , entschloss sich aber dann einfach einmal um das Haus herum zu gehen, um sich die die Gegend anzusehen.

 

Kaum war sie an der frischen Luft, fühlte sie sich augenblicklich befreit und wesentlich besser. Nicht, das ihr bisher irgendetwas an den Montgomerys schlecht vorgekommen wäre, aber hier draußen hatte sie nicht mehr das Gefühl fehl am Platz zu sein. Entschlossen blickte sie nach rechts und links und beschloss dann an den Garagen vorbeizuschlendern. Immerhin hatte Everett ihr ja angeboten eins der Autos zu benutzen und auch wenn sie keinen Führerschein besaß, war sie neugierig was diese Leute außer dem Luxusschlitten noch an Fahrzeugen hatte.

 

Das Portal, des beinahe hallenähnlichen Gebäudes stand weit auf und ein schüchterner Blick hinein erfüllte ihre Befürchtungen. Da standen die Limousine, ein sportlicher Mercedes, ein Geländewagen und ein Cabriolet, welches aber eindeutig schon in die Kategorie Oldtimer passte.

 

Mutig ging sie hinein und fuhr mit der Hand über den Lack. Alle waren bestens gepflegt, nur der Geländewagen schien eine Wäsche nötig zu haben. Erschrocken zuckte sie zusammen, als sie aus einer Ecke der Garage ein leises Fluchen hörte.

 

Sofort vergrub sie ihre Hände in ihre Hosentaschen, als wenn sie etwas Verbotenes getan hätte, streckte sich aber auf die Zehenspitzen um zu sehen von wo die Laute kamen.

 

Über das Dach des Jeeps hinweg sah sie die Umrisse eines Motorrads und ein junger Mann hockte über einigen ausgebauten Teilen. Sein Gesicht war zum Teil ölverschmiert und er schien etwas auf der Erde zu suchen. Sein grellblondes Haar leuchtete regelrecht in dem Halbdunkel der Ecke, die nur von einer kleinen Werkstattleuchte erhellt wurde und er stieß weiter leise Flüche aus.

 

Unweit von ihr lag eine kleine Maschinenschraube auf der Erde, sie schien weggerollt zu sein und unsicher hob Buffy das Teil auf, bewegte sich die wenigen Schritte auf den Fluchenden zu und hielt ihm entschlossen das Stück entgegen.

 

„Suchen Sie das hier?“

 

Überrascht blickte der junge Mann auf und nickte sofort freudig, als er die Schraube in Buffys Händen sah. „Hey, danke.“

 

Seine ölverschmierten Hände hinterließen Spuren auf ihren Fingern und reflexartig wischte sich Buffy diese an ihrer abgewetzten Jeans ab.

 

„ Du kommst sicher von Sally, nimm den Jeep gleich mit und sorg dafür das er ordentlich gewachst wird. Bist du neu? Ich habe dich noch nie gesehen?“ Interessiert sah Spike zu dem jungen Mädchen herüber. Die Kleine war niedlich, ganz anders als andere Mädchen in ihrem Alter. Sie schien Anfang 20 zu sein, hatte mittellanges goldblondes Haar und mit Kennerblick erkannte er sofort, dass es nicht gefärbt war. Ihre Figur war schlank ohne dürr zu wirken und sie war ungeschminkt.

 

Wenn er eins hasste, dann waren es aufgedonnerte Möchtegernmodels, deren Ernährung aus einem Salatblatt die Woche bestand. Besonders groß war sie nicht, sie schien ihm vielleicht bis ans Kinn zu gehen, auch etwas, was er sofort bemerkte.

 

Nicht die Sorte Mädchen die normalerweise in Sallys Waschpark arbeiteten. Er stand eigentlich mehr auf die großen dunklen Typen, aber das sollte ihm egal sein. Zumindest war sie eine erfrischende Ausnahme.

 

„Ja, ich bin heute erst angekommen“ bestätigte sie seine Vermutung, dass er sie noch nie zuvor gesehen hatte. Mit einem verdreckten Tuch, das mehr den Schmier auf seinen Händen verteilte als entfernte wischte er sich seine Hände ab und reichte dann Buffy seine Hand.

 

„Hi, ich bin Spike“ grinste er sie mit einer reihe weißer Zähne an, was Buffys Herz gleich ein paar Takte höher schlagen ließ. Verdammt, der Mann sah unter diesem Dreck sicher aus wie aus einem Modemagazin entsprungen und für einen Augenblick hatte sie insgeheim gehofft, dass es sich um diesen Liam handeln könnte, doch sein Name enttäuschte ihre aufkeimende Hoffnung.

 

Lächelnd griff sie nach seiner Hand, wohl wissend, dass sie gleich ebenso verschmiert sein würde wie die seine, als hinter ihnen auch schon mit quietschenden Reifen ein Rover die Einfahrt herauf in die offene Halle raste.

 

„Liam“ Spikes Gesicht verzog sich zu einer kleinen Grimasse und deutete dann auf den Jeep.

 

„Also, nimm ihn mit und wenn du ihn wiederbringst melde dich doch kurz bei mir, ich könnte dir die Stadt zeigen.“

 

Hilfe, sie doch gerade erst angekommen und schon flirtete sie mit jemanden der hier arbeitete. Und jetzt war auch noch dieser Liam angekommen, was sollte er bloß von ihr denken?

 

Für den Bruchteil einer Sekunde hätte sie beinahe sein nettes Angebot angenommen, aber dann fiel ihr ein, warum sie hier war und sofort wurde ihr Blick wieder ernst. Sie schüttelte kurz den Kopf, trat einen Schritt zurück und starrte erwartungsvoll in Richtung des Rovers, aus dem nun wohl gleich ihr vielleicht zukünftiger Ehemann aussteigen würde.

 

Spike verstand sofort. Natürlich wusste dieses Mädchen wer Liam war. Alle Mädchen in Sunnydale wussten das und waren hinter ihm her, wie der Teufel nach der Seele. Schade, für einen Moment hatte er gedacht dass die Kleine anders wäre, aber so zuckte er mit den Schultern und wendete sich wieder seiner Maschine zu.

 

Buffy war mehr als überrascht als sie sah, wer sich da aus dem Auto bequemte. Der Mann war groß, hatte die braunen Haare seines Vaters und sah ausgesprochen gut aus. Er trug einen Anzug, der sicher nicht von der Stange war und eine Krawatte baumelte locker gezogen an seinem Hemdkragen. Nervös kaute sie wieder an ihrer Unterlippe als sein Blick auf sie fiel und er für einen Augenblick grüblerisch seine Brauen zusammenzog.

 

Als sein Vater ihn angerufen hatte, dass diese Buffy endlich da war und das er auf eine Überraschung gefasst sein sollte, war ihm nicht in den Sinn gekommen, dass er so überrascht wäre. Everett hatte ihm kurz angerissen was ihn da erwartete, aber die Wirklichkeit übertraf seine Vorstellung bei weitem. Die Kleine war ausgesprochen hübsch mit ihren blonden Haaren, grünen Augen und strahlte eine Natürlichkeit aus, die seinesgleichen suchte.

 

Keine hässliche Landpomeranze, kein aufgedonnertes Mannequin. In die richtigen Sachen gesteckt und etwas Schliff, dann wäre sie der Star der Gesellschaft in Sunnydale.

 

„Hallo! Mein Vater sagte mir, dass Sie da sind. Ich bin Liam. Willkommen in Sunnydale Buffy.“ Mit einem gewinnenden Lächeln, eindeutig ein Erbe seines Vaters, und mit einigen federnden Schritten hatte er die Distanz zwischen ihnen überbrückt und hielt ihr seine Hand entgegen, zog sie aber im dem Moment zurück, als er die ölverschmierten Spuren sah.

 

Hinter ihrem Rücken klimperte etwas zu Boden und ein kurzer Blick offenbarte ihr einen erschrockenen Gesichtsausdruck Spikes, der sich aber sofort wieder fing und fluchend nach dem nun wieder verlorenen Teil suchte.

 

„Kommen Sie doch mit hinein Buffy, dann machen wir uns näher miteinander bekannt.“ Liam spielte seinen ganzen Charme aus und musterte mit kritischem Blick William, der nur mit den Schultern zuckte und seinen Bruder missbilligend ansah.

 

„Ich … ich hatte diese Schraube gefunden und dabei …“ Buffy interpretierte den Blick ihres Zukünftigen falsch und wollte keinesfalls das dieser Spike eventuell Ärger bekam, doch Liam winkte freundlich ab.

 

„Nun, wie ich sehe haben Sie Spike ja schon kennen gelernt, er ist…“ Ein warnender Blick seines Bruders reichte um ihn ein zauberhaftes Lächeln aufs Gesicht zu bringen. „… Unser Mechaniker, wie Sie sehen.“ Er wusste ja schon immer, dass sein Bruder ein Idiot war, aber das konnte ihm nur Recht sein.

 

 

 

Teil 3

 

Eine halbe Stunde später saß Buffy umgezogen und wieder sauber mit Liam und seinem Vater im Wohnzimmer und plauderte über Gott und die Welt. Fröhliches Gelächter erfüllte den Raum während Spike lauschend vor der Tür stand und es zog ein ärgerlicher Ausdruck auf sein Gesicht.

 

Was hätte er auch in der Garage sagen sollen? Tut mir leid, dass ich dich mit einen von Sallys Mädchen verwechselt habe? Und übrigens ich bin William, der andere Sohn, wähle besser mich? Zornig stieß seine Stiefelspitze auf den Boden. Völlig verrückt so was.

 

Erst wehrte er sich mit Händen und Füßen und kaum lächelte ihn diese kleine Hexe an, saß sein Verstand in der Hose. Genau, das war es. Wahrscheinlich fehlte ihm nur mal wieder etwas Sex. Sollte sein Bruder sich doch ketten lassen und Vergnügen mit dem niedlichen Käfer, er war raus aus dem Schlamassel.

 

Trotzdem machte ihn der Gedanke nur noch wütender und eilig rannte er die Stufen herauf in sein Zimmer um unbemerkt ein paar Sachen zu holen. Solange Liam und diese Buffy sich beschnupperten würde er im Gartenhaus wohnen…

 

„Ich werde eine kleine Party veranstalten, nichts Großes, nur damit Sie unsere Verwandtschaft und unsere Freunde besser kennen lernen.“

 

Buffy verschluckte sich beinahe an ihrem Glas Wasser und starrte Everett mit großen Augen an. „Ich weiß nicht ob das so eine gute Idee ist…“ flüsterte sie mit Beklemmung. Sie hatte noch nie eine Party mitgemacht. Es fehlte ihr an Erfahrung, an Bildung und vor allen an passender Kleidung für so eine Gesellschaft und niedergeschlagen senkte sie ihren Blick.

 

Liam schien sofort zu bemerken was mit ihr los war und schenkte ihr wieder eins seiner strahlendsten Lächeln.

 

„Machen Sie sich keine Sorgen um irgendetwas. Das sind ganz normale Leute und Cordelia unsere Sekretärin wird Sie sicher gerne begleiten damit Sie sich in Sunnydale etwas Passendes besorgen.“

 

Dankbar lächelte Buffy zurück und war sehr erleichtert, dass man ihr aus der Klemme half. Sie war absolut nicht auf dem Laufenden was Mode betraf und das man ihr eine Begleitung zur Verfügung stellte, die sie beraten konnte war mehr als freundlich. Der Gedanke, dass sie nach dieser Party als Bauerntrampel der Lacher der Saison würde, schockte sie doch zu sehr.

 

Nachdem es schon sehr spät geworden war und nach einem wunderbaren Abend in interessanter Gesellschaft, war Buffy todmüde in ihr Zimmer gegangen und Everett strahlte seinen Sohn triumphierend an.

 

„Na, was sagst du?“

 

„Dad, die Kleine ist entzückend, wer hätte das gedacht? Nachdem was du erzähltest wäre ich auf alles gefasst gewesen, aber nicht auf einen bezaubernden kleinen Engel.“

 

Lachend klopfte Everett seinem Sohn auf die Schulter und kicherte als Liam ihr erzählte was William für ein Gesicht gezogen hatte, als er erfuhr wer sie war.

 

„Glaub mir mein Junge. Nicht Clearwater ist die Goldgrube. Dieses Mädchen ist eine. Natürlich tut sie das alles in erster Linie für ihren Vater, aber wo gibt es heutzutage noch eine solche Loyalität? Ich habe genug Menschenkenntnis in meinem Leben erworben, dass sich weiß, dass nichts Falsches an der Kleinen ist. Ursprünglich hatte ich wirklich bedenken, dir so etwas zuzumuten, aber so wie es scheint könnte das unter Umständen nicht nur eine Vernunftehe werden.“

 

Zwinkernd bestätigte Liam seinen Vater die Annahme und trank mit einem Zug sein Glas leer. „William ist ein  Trottel“ flüsterte er und war innerlich doch froh darüber dass sein Bruder kein Interesse mehr gezeigt hatte.

 

 

3 Tage später

 

„Also rosa ist der letzte Schrei“ bestimmte Cordelia und rümpfte die Nase, als Buffy ehrfurchtsvoll nach einem schwarzen, schlichten Etuikleid gegriffen hatte. „Außerdem sagte Everett, dass wir Sie ausreichend mit passender Alltagsgarderobe ausstatten sollen.“

 

Buffy bemerkte die Spitze, die Ms. Chase ihr austeilte, ignorierte sie aber. Sie fühlte sich wie Alice im Wunderland und Aschenputtel gleichzeitig, als sie durch den Laden ging an denen Designersachen an den Wänden hingen und T-Shirts in den Regalen lagen, die soviel Geld kosteten wie ihre kompletten Sachen allein.

 

Zwei Stunden später war sie völlig erschöpft und überrumpelt von den Eindrücken und dem ständigen Anprobieren, doch Cordelia kannte keine Gnade und zerrte sie entschlossen weiter.

 

Der ganz offensichtlich schwule Friseur zeigte sich entzückt über das natürliche Blond ihrer Haare, wuschelte darin herum und zog einzelne Strähnen lang. Nach einer minutenlangen Diskussion darüber, wie viel von den Haaren wirklich abgeschnitten werden durfte, begann er nun schmollend die Spitzen zu kürzen und erzählte ihr noch eine Weile von den neuesten Frisuren aus Europa, doch sie war längst mit ihre Nase in einer Fachzeitschrift versunken und hörte nicht mehr zu.

 

Das Ergebnis nach einer weiteren Stunde ließ sie aber denn doch staunen. Er hatte ihr sonst glattes Haar auf einige Wickler gedreht und nun umschmeichelten große Wellen ihr kleines Gesicht und ließen sie ein wenig an einen Engel erinnern und machten sie älter als der Pferdeschwanz, den sie sonst trug.

 

„Wundervoll“ schwärmte Carlos und fuhr mit den Fingern noch ein paar mal hindurch, so das mehr Fülle entstand und zupfte einige Strähnchen in ihr Gesicht, so das es natürlicher aussah. Buffy wollte zurück, obwohl Cordelia auch noch auf einen Besuch bei der Kosmetikerin bestand.

 

Sie war müde, ihre Füße taten weh, da sie auch noch gezwungen geworden war mindestens eine Millionen Schuhe anzuprobieren, wovon sie sicher die Hälfte gekauft hatten und danach waren sie auch noch in einem Laden für Unterwäsche gewesen, von denen einige Exponate ihr die Schamröte ins Gesicht getrieben hatten.

 

Was zum Teufel sollte so wichtig an passender Unterwäsche zur Garderobe sein? Und diese merkwürdigen Dinger, deren hinterer Teil nur aus einem dünnen Bindfaden bestand würde sie niemals tragen.

 

Sie bemerkte Cordelias mitleidigen Blick, aber sie setzte sich durch und so wechselten, wie sie meinte, einige Dutzend seidiger und spitzenbesetzter Wäschestücke in allen Formen und Farben den Besitzer.

 

Es war eindeutig mehr als genug für den Rest ihres Lebens und sie wollte sich nicht einmal ausmalen, welcher Betrag sich inzwischen auf der goldenen Kreditkarte, die ihr Everett zur Verfügung gestellt hatte, angesammelt hatte.

 

Bevor sie in die Stadt gefahren waren, war ihnen noch dieser Spike begegnet. Er war gerade von einer Fahrt mit dem Motorrad wiedergekommen und hatte seinen Helm abgenommen um die beiden jungen Damen, die in den Mercedes stiegen zu begrüßen.

 

„Hallo Buffy… Cordy…“

 

Buffy bemerkte den ängstlichen Blick, den Cordelia dem völlig in schwarz gekleideten jungen Mann zuwarf. Irgendetwas Finsteres ging von ihm aus und sein höfliches Lächeln erreichte nicht die blauen Augen.

 

Augenblicklich klopfte ihr Herz wieder bis zum Hals als sie in das nun saubere Gesicht sah. Er hatte wirklich etwas von einem griechischen Gott. Sein ganzer Körper wirkte wie aus Stahl und doch schmal, nicht groß und kräftig wie Liam oder Everett. Energisch riss sie sich zusammen und winkte freundlich in seine Richtung um dann im Inneren des Wagens zu verschwinden. Eigentlich hätte sie der schweigsamen Cordelia gerne Fragen über ihn gestellt, aber das traute sie sich dann doch nicht

 

Nachdem die Mädchen die Einfahrt verlassen hatten, sprang Spike auch schon die Stufen zum Haus herauf und begegnete Liam, der sich auf den Weg in die Firma machte.

 

„Na kleiner Bruder, bereust du schon, dass du einen Rückzieher gemacht hast?“ Grinsend zeigte er William eine Reihe weißer Zähne und Spike zuckte nur gleichgültig mit den Schultern.

 

„Die Kleine ist einfach ein Engel. Klug, hübsch, absolut loyal und ich denke völlig unerfahren. Es ist sicher interessant, ihr im Bett zu zeigen wo es langgeht …“

 

Natürlich war es reine Provokation gewesen, doch Spike sprang augenblicklich darauf an. Er unterdrückte den Wunsch seinem Bruder einen Kinnhaken zu verpassen und kniff die Lippen zu einem schmalen Strich zusammen.

 

Die Vorstellung daran wie Liam die Kleine auf ein Bett drückte ließ pure Wut in ihm hochkochen.

 

„Seit wann stehst du auf unschuldige Jungfrauen? Ich dachte immer, dass du Erfahrung vorziehst, zumindest hat mir Jackie erzählt, das du es lieber magst wenn die Frau weiß wo es langgeht.“ Das hatte getroffen.

 

Sofort überzog Liam eine leichte Röte und er kniff die Augen zusammen.

 

„Wüsste nicht was dich das angeht.“

 

Die Anspielung auf Jacky, die das einzige Bordell in Sunnydale betrieb, passte ihm gar nicht. Aber solange William seine Klappe hielt und sich weiter fein aus seinem Leben und Plänen heraushielt war er zufrieden.

 

Die Nachmittage verbrachte Buffy meist allein. Hin und wieder gesellte sie sich zu Giles, der ihr das Anwesen und die Umgebung zeigte. Everett und Liam waren mit ihrer Arbeit beschäftigt und auch wenn sie merkte, das der junge Mann versuchte sich möglichst viel Zeit für sie zu nehmen, so war ihr doch auch klar, warum die Familie so erfolgreich war. Sie arbeiteten von morgens bis abends ohne Unterlass.

 

Sie war auch wie zufällig einige Mal dem jungen Mechaniker über den Weg gelaufen, dessen Gesichtsausdruck sich jedes Mal verfinsterte, wenn er sie sah. Offensichtlich war er an dem Tag ihrer Ankunft nur freundlich gewesen und mochte sie gar nicht leiden.

 

Der Gedanke versetzte ihr zwar einen Stich, aber sie war schließlich hier um ihren zukünftigen Ehemann kennen zu lernen und nicht um fremden Männern schöne Augen zu machen. Also beließ sie es immer bei einem freundlichen Gruß.

 

Die Tage vergingen wie im Flug und am Abend der Party stand Buffy fragend vor dem Spiegel, der in der Schranktür versteckt war und starrte sich nachdenklich an. Cordelia hatte ihr ein nettes, modernes rosa Partykleid besorgt. Wie sie aus dem Journal bei Carlos erfahren hatte, wirklich der absolute Renner der Saison, aber trotzdem fühlte sie sich unwohl in  den aufgedonnerten Klamotten.

 

In den hochhackigen, gleichfarbigen Schuhen konnte sie kaum stehen, geschweige denn laufen und am liebsten hätte sie sich eine der alten Jeans angezogen und wäre in ihre Turnschuhe gehüpft, aber da unten erwarteten Everett und Liam von ihr, dass sie sich in die Gesellschaft einfügte. Sie hatte es sogar geschafft sich dezent zu schminken. Nicht viel, nur ein wenig Tusche, bei der sie sich mindestens ein halbes Dutzend Mal ins Auge gestochen hatte und einen pastellfarbenen Lippenstift, der farblich auf ihr Kleid abgestimmt war.

 

Überhaupt quoll dieser neue Kosmetikkoffer über von Utensilien deren Bedeutung sie nicht einmal kannte. Ein letzter Blick in den Spiegel und sie atmete tief durch.

 

Das war sie nicht! Und mit einer entschlossenen Bewegung löste sie den Reißverschluss des Kleides und trat es unters Bett. Sekunden später war sie aus den Schuhen geschlüpft und hatte sich das schwarze Etuikleid über den Kopf gezogen. Es umschmeichelte locker ihre schlanke Figur, knielang und schmal geschnitten. Schlicht und trotzdem elegant genug für eine solche Veranstaltung.

 

Zufrieden drehte sie sich noch einmal vor dem Spiegel. Zog dann ein paar relativ flache Pumps aus dem Schuhregal, schlüpfte hinein und holte noch einmal tief Luft. Sie hatte ihre Haare wieder aufgedreht und sanfte Locken umschmeichelten ihr Gesicht. In wenig fremd kam sie sich immer noch vor, aber längst nicht mehr so wie in dem rosa Traum aus Tüll.

 

Wenige Augenblicke später schritt sie auch schon langsam die Treppe der Eingangshalle herunter und sammelte sich kurz, bevor sie das große, vor Gästen nur so wimmelnde Wohnzimmer betrat.

 

„Ah, da ist sie ja… darf ich vorstellen? Buffy Summers aus Clearwaterfalls. Eine Tochter meines Schulfreundes und zu Besuch in Sunnydale. Buffy, du siehst hinreißend aus.“

 

Erleichtert nahm sie Everetts Kompliment auf und reihte sich ein, unzählige Hände zu schütteln und belanglose Fragen zu beantworten. Liam hatte sich zu ihr durchgedrängelt und ihre Hand geküsst, was sie beinahe aufkichern ließ. Nach wenigen Minuten war sie endgültig aufgetaut und mischte sich unter die Gäste.

 

Alle waren ausgesprochen freundlich zu ihr und ihr anfängliches Unwohlsein verflüchtigte sich von Stunde zu Stunde mehr. Liam wich die meiste Zeit nicht von ihrer Seite, auch wenn er Mühe hatte sich einige Damen vom Hals zu halten, die ihn permanent in Gespräche verwickeln wollten, was sie mit einem Lächeln  zur Kenntnis nahm.

 

Ihr Sektglas wurde ständig nachgefüllt und so machte sich nach einiger Zeit auch der völlig ungewohnte Alkohol bemerkbar, so dass sie auf der Terrasse nach frischer Luft schnappen musste. Hinter einer aufgestellten Palme setzte sie sich auf das niedrige Steingeländer und atmete die frische Nachtluft ein. Es machte ihr Spaß, das gab sie zu, aber trotzdem fühlte sie sich deplaziert in dieser Gesellschaft von Schönheit und Geld.

 

„Hast du diese kleine Nutte gesehen, an der Liam die ganz Zeit hing?“

 

Erschrocken fuhr sie zusammen als sie eine weibliche Stimme hörte, trat aber nicht aus dem Schatten der Pflanze.

 

„Ja, macht auf Unschuld vom Lande. Die Sorte kenn ich, aber Liam fährt voll darauf ab. Kannst du mir erklären was er an ihr findet? Seit Monaten versuche ich um jeden Preis seine Aufmerksamkeit zu erregen und kaum kommt dieses Landei und er macht Stielaugen. Die ist doch so etwas von durchtrieben, das erkenne ich auf den ersten Blick. Pass auf, in ein paar Wochen hat sie ihn um den Finger gewickelt und er macht den Schosshund. Das ist doch auch nur eine die sich verkauft wie alle anderen. Naja, es wird ihm bald langweilig werden mit der Unschuldstour. Ich habe läuten hören, dass er es mag wenn Frauen wissen wie es im Bett funktioniert. Der kleine Rauschgoldengel sieht nicht so aus als wenn sie bis 3 zählen könnte, wenn du weißt was ich meine…“

 

Damit verschwanden die beiden aufgestylten Damen wieder kichernd im Inneren des Hauses und Buffy traute sich wieder zu atmen.

 

Erst jetzt war ihr wieder bewusst geworden warum sie hier war. In den letzten Tagen war ihr beinahe entfallen, dass sie da war um zu heiraten. Liam zu heiraten um genau zu sein und ihr wurde schmerzhaft klar, dass sie vergessen hatte, in was für einer Welt sie sich bewegte.

 

Was, wenn die Frauen recht hatten und er bald kein Interesse mehr haben würde? Dann würde ihr Vater, mit dem sie täglich telefonierte und dem es immer besser ging seine Kur abbrechen müssen und sie würden wieder ihr einsames Leben führen müssen. Clearwater würde sicher bald endgültig zwangsversteigert werden und sie stünden auf der Straße.

 

Die Sorge um ihren Vater, der Alkohol und die dummen Sprüche der Frauen hatten ihr übriges getan sie völlig zu verwirren und mit Tränen in den Augen stürzte sie sich in den Garten. Auf keinen Fall sollte auch noch jemand sehen, dass sie eine alte Heulsuse war.

 

Irgendwo in dem weitläufigen Garten hatte sie in der Dunkelheit die Orientierung verloren. Das war kein Garten, das war ein Park! Erschöpft ließ sie sich auf einer Steinbank unter einer Weide fallen, die schützend ihre Äste über sie gebogen hielt.

 

Aus der Ferne hörte sie leise Musik und Lachen, doch das war erst einmal uninteressant. Sie hatte einen Schwips und fühlte sich einfach nur schrecklich. Schniefend wischte sie sich die Tränen aus dem Gesicht, nicht merkend wie die Tusche dunkle Ränder unter ihren Augen verursachte und alles verschmierte.

 

„Hier, hör auf zu heulen.“ Unbemerkt hatte sich eine Gestalt genähert und erschrocken hickste Buffy auf. Zuerst konnte sie mit dem Schleier in den Augen nichts erkennen, doch dann klärte sich das Bild. Spike stand vor ihr und reichte ihr ein sauberes Papiertaschentuch. Seine andere Hand war in seiner schwarzen Jeans vergraben und sein Blick war unsicher.

 

Dankbar nahm sie ihm das Tuch ab, schnäuzte sich laut und knüllte es dann in ihren Händen zusammen. Spike wusste nicht was er tun sollte. Er war im Park spazieren gegangen um eine zu rauchen und um durch die Fenster einen Blick auf die Party zu erhaschen und sich über die Trottel zu amüsieren. Dann war er auf das heulende Elend im Garten gestoßen und hatte eine Weile nicht gewusst was er machen sollte.

 

„Ich bin eine Nutte…“ erklärte sie leicht lallend. Die frische Luft sorgte dafür, dass sich die Wirkung des Alkohols verstärkte und überrascht riss er eine Augenbraue in die Höhe.

„Ich muss mich verkaufen, aber Pa ist doch krank und ich bin seine einzige Hilfe.“

 

Wieder schniefte sie und rieb sich mit dem Handrücken über die Nase.

„Ich hab doch keine Ahnung was ich tun muss damit Liam mich mag. Er mag keine langweiligen Landeier, weißt du?“

 

Mit einem Lächeln erkannte er, das sie eindeutig zuviel getrunken hatte und nun einfach dem erstbesten ihr Herz ausschütten wollte.

 

Langsam setzte er sich neben sie und fingerte nach seiner Schachtel, dann erinnerte er sich an so etwas wie gutes Benehmen und bot ihr auch eine Zigarette an.

 

Mit zitternden Händen zog sie eins der Stäbchen aus der Packung und hatte Mühe es sich mit dem Zippo anzustecken, was Spike ihr in die Hand gedrückt hatte.

 

Nach dem ersten tiefen Zug hustete sie sofort los und William hatte Mühe nicht laut loszulachen.

 

„Ich kann auch gar nichts“ schimpfte sie und trat die Kippe wütend auf dem Grasboden aus.

 

„Spike, können Sie mir helfen? Was muss ich tun damit Liam mich mag? Ich hab doch keine Ahnung. Ich kann nicht einmal küssen. Peter hat mir das gesagt.“

 

Sie nickte und hickste gleichzeitig während sie sich wieder mit dem Handrücken über die Augen fuhr um die Tusche noch weiter auf ihrem Gesicht zu verteilen.

 

„Peter?“ Für einen Moment war Spike irritiert und er wusste nicht wovon Buffy da sprach.

 

„Ja, Peter, in der 4. Klasse. Wir haben ein Spiel gespielt und ich musste ihn küssen und er hat mich ausgelacht.“

 

Spike war kurz davor seine Beherrschung zu verlieren und hätte beinahe vor Lachen gebrüllt. Die Kleine war köstlich in ihrer Naivität.

 

„Ich glaube darüber brauchst du dir wirklich keine Sorgen zu machen. Vermutlich ist Liam schon über beide Ohren in dich verknallt.“ Verdammt, das hatte er nicht sagen wollen und ihn ärgerte der Gedanke, dass es wahrscheinlich sogar schon der Wahrheit entsprach.

 

„Außerdem würde er dich auch heiraten wenn du hässlich wie die Nacht wärst. Er will Clearwater zu einem Hotel machen, hast du das schon vergessen?“

 

Schniefend schaute Buffy auf und starrte Spike nachdenklich an. Sie hatte keine Ahnung woher der Mechaniker soviel Informationen hatte, aber ihr vernebelter Verstand ignorierte das einfach.

 

Sie seufzte wieder auf, aber ihre Tränen schienen endlich versiegt zu sein. „Ich muss zurück.“

 

William nickte und hielt sie aber gleichzeitig auf.

 

So kannst du unmöglich wieder rein, mach dich erst einmal sauber.“ Damit zog er ein weiteres Taschentuch aus dem hinteren Teil seiner Hose und reichte es ihr.

 

Verwirrt sah sie in seine blauen Augen und unterdrückte ihren Wunsch ihn aus Dankbarkeit zu küssen. Allerdings verstand sie nicht genau, was er meinte und runzelte gleichzeitig ihre Stirn.

 

Seufzend hielt er ihr das Tuch vor die Nase und befahl ihr einmal kräftig hereinzuspucken, was sie auch ohne zu zögern tat, um dann kräftig an ihrem Gesicht herumzuwischen bis auch die letzten Reste der Tusche beseitigt waren.

 

„Danke“ flüsterte sie und reichte ihm ihre kleine Hand. Sie sah einfach zu bezaubernd aus mit den feuchten Augen, den leicht geöffneten Lippen und den geröteten Wangen und zähneknirschend verfluchte sich William dafür, dass er seinen Bruder beneidete.

 

Bevor er auch nur einen weiteren Gedanken verschwendete, hatte er sie einfach in die Arme gerissen und drückte seine Lippen hart auf die ihren. Für einen Augenblick stemmte sie sich gegen seine Brust, sank dann aber dagegen und ließ zu dass seine Zunge sanft anfing ihre Mundhöhle zu erforschen. Seine Hände umschlossen ihr Gesicht und sie hatte ihre Augen geschlossen um sich ganz dem Gefühl hinzugeben, den dieser Kuss in ihr auslöste.

 

Ihr ohnehin vernebelter Verstand bewölkte sich mehr und mehr und ein angenehm warmes Kribbeln breitete sich von ihrem Kopf bis in die Zehenspitzen aus. Wie von selbst legten sich ihre Arme in seinen Nacken und hielten damit ihre wackeligen Knie aufrecht.

 

Sie hatte keine Ahnung wie lange sie da standen, aber es kam ihr vor wie eine wunderbare Ewigkeit. Sämtliche Wärme schien sich in ihrer Körpermitte zu versammeln und hinterließ ein schmerzhaftes Pochen in ihrer Magengegend.

 

Endlich schaffte es Spike sich von ihr zu lösen und stemmte sie eine Armlänge weit von sich. Verdammt, das hatte er nicht gewollt - oder doch, wenn er ehrlich war. Aber jetzt musste er dringend fort und eine kalte Dusche nehmen, bevor er ihre Betrunkenheit weiter ausnutzen würde.

 

Beinahe schlagartig war Buffy wieder nüchtern geworden und fuhr sich erschrocken über ihre Lippen und sie schämte sich für die aufkeimenden Gedanken. Sie stolperte einige Schritte rückwärts und drehte sich dann um und rannte davon.

 

„Hey.. rief Spike ihr noch hinterher. „Sag Peter, er ist ein Idiot!“

 

 

 

 

Teil 4

 

Ihr hochrotes Gesicht hatte sich wieder abgekühlt als sie die Terrasse erreichte und dort auch sofort von Liam in Empfang genommen wurde, der sie schon die ganze Zeit gesucht hatte.

 

„Ich musste dringend frische Luft schnappen. Der Alkohol ist mir wohl etwas zu Kopf gestiegen“ entschuldigte sie sich nach seiner vorwurfsvollen Frage wo sie denn gesteckt hätte und lächelnd hakte sie sich in seinen ihr einladend entgegengestrecktem Arm.

 

Der nächste Morgen brachte ihr den ersten Kater ihres Lebens und nachdem  Giles sie in der Küche mitleidig mit einer ‚Spezialmixtur’ und ein paar Aspirin versorgt hatte ging es ihr schon ein wenig besser. Sie entschuldigte sich früh und war in den Park gegangen um ihre Gedanken zu ordnen. Zu genau konnte sie sich an das erinnern, was am Vorabend vorgefallen war und sie wollte sich dringend bei Spike entschuldigen. Von der Haushälterin hatte sie erfahren, dass der junge Mann wohl eine Hütte im Garten bewohnte, als sie beiläufig danach gefragt hatte, allerdings war der Blick der grauhaarigen Frau sehr merkwürdig dabei gewesen.

 

Offenbar war der junge Mann nicht gerade beliebt, denn sobald durch Zufall einmal das Gespräch auf ihn gelenkt wurde, lenkten auch Everett und Liam sofort vom Thema ab. Wahrscheinlich gehörte es sich einfach nicht über Angestellte zu reden, vermutete sie, obwohl das Verhältnis zwischen dem Hausverwalter und den Montgomerys beinahe familiär zu nennen war.

Sogar die Sekretärin der beiden duzte sie auf freundschaftliche, respektable Weise.

 

Nach ein paar Gehminuten, an der Weide mit der Steinbank vorbei erreichte sie auch schon die ‚Hütte’ wie Mrs. Bridges das Gartenhaus genannt hatte und musste lächeln. Das war so typisch für alles hier.

 

Die ‚Hütte’ hatte beinahe die Ausmaße eines kleinen Einfamilienhauses, allerdings wie im Countrystil ganz aus Holz und wie aus einem Western entsprungen.

 

Himmel, was tat sie hier überhaupt? Der Gedanke an den Kuss trieb ihr erneut die Schamröte ins Gesicht. Wenn sie jemand dabei beobachtet hätte? Beinahe körperlich fühlte sie wieder dieses Ziehen in der Magengegend, welches er ausgelöst hatte und in einer hinteren Ecke ihres Verstandes wünschte sie sich, dass er es wieder tun würde. Böse Gedanken Buffy, ganz böse….

 

Spike war nur nett gewesen, wobei der Kuss schon eine recht merkwürdige Vorstellung von ‚nett’ war. Sie erwischte sich bei der Frage ob es mit Liam genauso sein würde und musste sich erst einmal die wirren Gedankengänge aus dem Kopf schütteln, als sie an die rauen Türbretter klopfte.

 

„Giles, ich habe doch gesagt, ich will kein Frühstück, verdammt.“

 

Einen Moment wunderte sich Buffy, dass Giles auch für das Frühstück der Angestellten zuständig war, kümmerte sich dann aber nicht weiter darum, denn ganz offensichtlich war er da und so trat sie unaufgefordert ein.

 

„Spike, kann ich dich sprechen?“ Sie war in das vertraute ‚du’ übergegangen ohne es zu bemerken.

 

Das Sofa stand mit dem Rücken zu ihr und ein breiter Flachbildschirm zeigte wechselnde Bilder ohne Ton. Sein blonder Schopf lugte über den Rücken der Couch hinweg und ruckte herum, als er hörte wer da war.

 

Sofort sprang er auf und erschrocken zwinkerte Buffy, denn er hatte nur seine abgewetzte schwarze Jeans vom Vorabend an, ansonsten war sein Oberkörper nackt und sie musste schlucken. Der Anblick brachte noch mehr komisches Ziehen in der Bauchgegend und sie sah geflissentlich an ihm vorbei aus dem Fenster, auf das sie nun scheinbar interessiert zutrat. Obwohl es warm war, fröstelte sie plötzlich stark in dem kurzen Trägertop, das sie trug.

 

„Schöne Aussicht“ murmelte sie, lehnte sich auf das Fensterbrett und sie war sich nicht einmal sicher ob sie das meinte, was sie gerade draußen an Pflanzen sah.

 

„Was willst du hier?“ Seine Stimme klang nicht erfreut und sie musste schlucken, drehte sich aber nicht um als sie merkte, dass er ein paar Schritte auf sie zukam.

 

„Ähm … ich wollte mich entschuldigen. Wegen gestern. Ich habe zuviel getrunken und eine Menge Blödsinn geredet.“

 

Gut, der schwerste Teil war geschafft, jetzt musste sie sich nur noch vergewissern dass er es auch akzeptierte, dann könnte sie wieder zurück.

 

„Hm, gibt es da draußen etwas Interessantes zu sehen?“

 

Er stand nun direkt hinter ihr und ihr wurde schlecht bei dem Gedanken, dass seine Haut sie beinahe berührte. Ihr Herz drohte ihr aus dem Hals zu springen, der nun wie zugeschnürt war und ihre Handflächen pressten sich fest auf die hölzerne Fensterbank. Die Bilder, die sich in ihrem Kopf materialisierten waren alles andere als anständig und sie verfluchte sich für die Idee hierher gekommen zu sein.

 

Na klasse, jetzt hatte er sich direkt hinter sie gestellt, presste seine Brust an ihren Rücken, die Hände links und rechts neben ihren, so dass sie keine Ausweichmöglichkeit mehr hatte weg zu kommen.

 

„Entschuldigen, hm? Gut, akzeptiert, Ich vergesse einfach das du mich geküsst hast und verrate Liam auch nichts, deshalb bist du doch gekommen, oder?“

 

War das so? Sie presste fest ihre Zähne aufeinander, so dass es schmerzte. Wenn sie ehrlich zu sich selber war, dann hätte sie zugegeben, dass sie ihn sehen wollte, doch das durfte nicht sein.

 

Gott Buffy, du bist ja so naiv. Bist drauf und dran dich in den erstbesten Kerl zu verlieben, der dich küsst und den du nicht einmal kennst,  dabei wartet auf dich ein wunderbares Leben an der Seite eines gutaussehenden reichen Mannes, der, so hatte sie die Andeutungen von ihm beim Frühstück verstanden, gar nicht abwarten konnte bis der Ehevertrag unter Dach und Fach war. AußerdemWAS hatte er da gerade gesagt?

 

Erst jetzt wurde es ihr bewusst und wütend drehte sie sich um.

 

„Ich habe dich nicht geküsst - du hast mich geküsst, das ist ein großer Unterschied und ich wollte mich wirklich nur entschuldigen und dir sagen dass sich…“

 

Hilfe, jetzt war sie in der Falle

 

Sein Gesicht war direkt vor ihr und seine amüsiert funkelnden blauen Augen fixierten sie wie die sprichwörtliche Schlange die Maus. Ihr Blick wanderte an seiner nackten Brust herunter und beinahe hätte sie ihre Finger danach ausgestreckt die Muskeln die sich unter der Haut abzeichneten zu berühren.

 

„…dass ich…“ Verdammt, was hatte sie sagen wollen?

 

„Dass du es wieder tun möchtest?“ brachte er ihr Satz zu Ende, und sie hätte beinahe genickt ohne dass sie es wollte.

 

„Nein“ kreischte sie auf und wollte sich an ihm vorbeischieben, doch er stellte sich ihr sofort wieder in den Weg. Zischend zog sie die Luft ein und hatte ihre Hand zum Schlag ausgeholt, welche er jedoch spielend leicht abfing und ihr dafür ein zynisches Lachen schenkte.

 

„Lass mich los“ fauchte sie ihn an und wollte ihm ihr Handgelenk entreißen, das er mit eisernem Griff umfangen hielt.

 

„Sag mir, dass es dir nicht gefallen hat“ lachte er und amüsierte sich über ihren wütenden Gesichtsausdruck.

 

„Nein, es hat mir nicht gefallen. Es war widerlich“ schimpfte sie los und  stellte erleichtert fest, dass sich sein Griff endlich lockerte.

 

Mit einem Ruck riss sie sich los und stieß mit dem Rücken an die Tür. Sein Gesicht kam ihrem bedrohlich nah und sie vergaß einige Sekunden zu atmen.

 

„So, was war denn am Widerlichsten? Das?“ Nur flüchtig berührten seine Lippen ihren Mund und sie keuchte kurz auf.

 

„Hm, das war es nicht, etwas das?“ Jetzt legte er wieder seine Lippen auf ihre. Sanft und nicht so fordernd wie am Vorabend. Wie von selbst öffneten sich ihre Lippen um seiner Zunge Einlass zu gewähren. Sie konnte nicht denken, geschweige denn hatte sie die Kraft ihn wegzustoßen. Die Wärme, die der Kuss auslöste breitet sich immer weiter aus und wie von selbst begannen ihre Hände mutig seinen Oberkörper zu erforschen.

 

Seine Arme hatte er neben ihren Kopf an die Tür gelegt, so dass sie keine Chance zum entkommen hatte, aber ihr Verstand war sowieso derartig ausgeschaltet, dass sie es nicht einmal bemerkt hätte.

 

Enttäuscht seufzte sie auf, als er den Kuss irgendwann unterbrach, benommen und schwer atmend öffnete sie wieder ihre Augen. Für einen Augenblick war sie immer noch wie in Trance, aber dann sah sie sein überhebliches Lächeln und sofort wurde ihr wieder bewusst was sie gerade getan hatten. Ihre Finger fuhren herauf zu ihren Lippen und erschrocken stöhnte sie auf.

 

„Widerlich, he?“ fragte er süffisant und ohrfeigte sich innerlich selber dafür, da sofort der verklärte Ausdruck in ihren Augen verschwand und sie ihn zornig anfunkelte.

 

„Abartig, nie wieder!“ brüllte sie ihn an und duckte sich um seinen Armen zu entkommen, doch er war schneller, zog sie wieder zu sicher heran.

 

Wieder presste er seine Lippen auf ihre und er spürte augenblicklich ihren schmelzenden Widerstand. Seine Hand wanderte ihren Nacken entlang bis hinunter zu ihrer Hose, wo sich ihr kleiner fester Hintern aufreizend gegen seine Handinnenflächen presste.

 

Er drückte sie gegen sich und ließ sie seine Erregung spüren, so dass sie kurzzeitig zwischen seinen Lippen aufkeuchte. Mehr wollte er nicht und er rückte sie ein Stück von sich weg. Außerdem wurde es ihm unangenehm eng in der Hose und wenn er weitermachen würde, dann würde er der Kleinen noch ganz andere Dinge zeigen von der sie sicher wieder behaupten würde, es wäre Widerlich.

 

„Komm nie wieder hierher, hörst du? Das nächste Mal bleibt es nicht beim Küssen, Liebes. Wenn du noch einmal hier auftauchst gibt es kein Zurück.“

 

Sie schien nicht zu verstehen sondern sah ihn mit gläsernen Augen erwartungsvoll an.

 

„Jetzt geh zu Liam und zeig ihm was du gelernt hast“ fügte er hämisch hinzu.

 

Er wollte das nicht sagen, aber er wollte sich auch nicht in die Kleine verlieben und das war der beste Weg es zu vermeiden.

 

Erst jetzt flatterten ihre Lider und eine leichte Röte überzog ihre blass gewordenen Wangen. Blitzschnell hatte sie sich umgedreht und war regelrecht herausgestürzt. Immer noch brannten ihre Lippen und sie versuchte sich daran zu erinnern wie sich seine Haut unter ihren Händen angefühlt hatte.

 

Er ist ein Arsch, schlag ihn dir aus dem Kopf mahnte sie sich selber, als sie den Rückweg beinahe rannte.

 

Sie wusste genau wovor er sie gewarnt hatte und sie war sich sicher, dass sie im Bett gelandet wären, wenn er nicht aufgehört hätte. Herrje, sie kam sich nun wirklich vor wie ein Flittchen. Warf sich dem erstbesten an den Hals und wäre um ein Haar mit ihm … Sie brachte den Gedanken erst gar nicht zu Ende, sondern versuchte ihren beschleunigten Atem zu beruhigen.

 

Geh zu Liam und zeig ihm, was du gelernt hast.“ Die Worte hatten sie hart getroffen.

 

So hatte er das also nur gesehen? Eine Art Schulstunde für Landeier? Zornig strich sie sich über den Mund und ihre Sachen, als wenn sie damit die Erinnerung an das wegwischen könnte, doch das Gefühl, welches er ausgelöst hatte, war immer noch da und breitete sich wie ein Virus in ihren Adern aus. Es war zum Heulen

 

 

Teil 5

 

 

„Ah, da bist du ja. Unser Anwalt hat gerade die Unterlagen gebracht, du kannst sie dir in Ruhe ansehen… Stimmt etwas nicht?“

 

Everett und Liam sahen auf als sie ins Wohnzimmer kam und sich mit zittrigen Knien auf das gigantische Ecksofa gesetzt hatte. Sie schüttelte verneinend den Kopf und nahm dankend das Glas Wasser entgegen, welches Everett ihr einschenkte.

 

„Nun, ich denke, dann steht unserer kleinen Familienzusammenführung ja nichts mehr im Wege. Wenn alles in Ordnung ist, sollten wir einen Termin festmachen. Was hältst du von nächsten Monat?“

 

Liam hatte sich direkt neben sie gesetzt und vorsichtig ihre Hand genommen.

 

„Ich glaube ich lasse euch beiden für einen Augenblick allein“ lächelte der ältere der beiden Männer und verließ leise den Raum, denn er spürte dass er jetzt nur stören würde. Mit sicherem Instinkt hatte er erkannt, dass es für das Mädchen noch einiges zu klären gab, aber das ging ihn nichts an. Er war erleichtert, dass es so einfach gewesen war. Sein Ältester kam unter die Haube, dazu noch mit einem absolut reizenden Mädchen und sie hatten endlich Clearwater für ihre aufsteigende Hotelkette.

 

„Liam, darf ich dich etwas fragen?“

 

Ihre Knie zitterten immer noch und sie fühlte sich schrecklich. „Meinst du es ist richtig was wir tun? Ich meine so eine reine Geldheirat? Wir empfinden doch nichts füreinander. Damit meine ich nicht, dass ich dich nicht mag, Du bist so nett, freundlich, siehst gut aus, aber sollte da nicht mehr sein? Wir kennen uns doch kaum?“

 

Freundschaftlich drückte er ihre kalte Hand und beugte sich ein wenig zu ihr herüber. „Du, das ist genau der Grund warum es zwischen uns funktionieren könnte. Ich meine wir wissen genau, dass es vernünftig ist. Da ist keine störende Verliebtheit, dafür gibt es auch kein grausames Erwachen. Jeder wird wissen was er an seinem Partner hat. Wir mögen uns, finden uns beide nicht unattraktiv und stellen keine großen Erwartungen an den anderen. Manche Paare stellen auch nach zig Ehejahren Neues an ihnen fest und wer weiß, vielleicht wächst ja noch etwas, was wir nicht erwarten. Zumindest sollten wir uns die Möglichkeit offen lassen das es Liebe werden könnte.“

 

Oh ja, das klang absolut vernünftig und logisch. So herrlich beruhigend. Genau, das, was sie jetzt brauchte. Beständigkeit, Zuverlässigkeit und Loyalität. Wie viel Verlobte konnten das schon auf Jahre im Voraus für sich in Anspruch nehmen?

 

Er drückte sie einen Moment an sich und sie genoss die tröstende Wärme die er ausstrahlte. Sie fühlte sich schon erheblich besser und großartig rational, genau das was sie brauchte.

 

Seine Hand umfing liebevoll ihr Kinn und sanft, ganz vorsichtig drückte er ihr einen flüchtigen Kuss auf ihre Lippen und als er keinen Widerstand spürte, wurde Liam auch schnell mutiger. Der Kuss war nicht lang, aber intensiv und … nett … verdammt fiel ihr kein anderes Wort dazu ein? Es war – nett-  verflixt. Warum gab es keine Schmetterlinge im Bauch? Tanzende Farben vor den Augen und ein Ziehen in der Magengegend?

 

Seufzend lehnte sie sich gegen seine breite Schulter und schloss ihre Augen. Es könnte funktionieren, beschwichtigte sie sich selber. Immerhin war es nett. Nicht abstoßend, wie sie erst erwartet hatte, sondern … nett … Gott, warum hatte das Wort so einen fahlen Beigeschmack?

 

Kurz darauf hatte sie sich zurückgezogen um in Ruhe nachzudenken. Sie lag lang ausgestreckt auf ihrem Bett und grübelte darüber nach warum sie immer noch das Gefühl hatte, genau das Falsche zu tun.

 

Liam war ein Traum. Sah gut aus, war stets freundlich, hatte die besten Argumente, die man sich vorstellen konnte und sie war sich sicher, dass er auch in einer Ehe diese Attribute nicht ablegen würde. Ganz anders als dieser Spike, von dem ständig eine beinahe gefährliche Aura ausging, Oder war sie es, die das so empfand? Ihre Gefühle waren ständig außer Kontrolle wenn sie ihn traf, nicht so beständig und beruhigend wie bei Liam. Was hatte sie außerdem für Alternativen? Eine heiße Affäre mit dem Mechaniker der Montgomerys um nachher mittellos auf der Straße zu stehen, oder eine sichere Zukunft für sich und ihrem Vater mit einem Mann der sie den Rest ihres Lebens mit dem gehörigen Respekt behandeln würde? Und warum dachte sie über so etwas Nutzloses überhaupt nach?

 

Wahrscheinlich würde Spike sofort gekündigt wenn herauskäme, dass er die Verlobte des Chefs geküsst hatte.

 

Unruhig warf sie sich in den weichen Kissen hin und her bis sie vollständig zerwühlt waren. Ihre Ehe würde perfekt sein und der Rest würde sich finden. Die Welt war an ihr nicht völlig spurlos vorüber gegangen, dass sie nicht wusste was sie noch alles erwarten würde.

 

Die Vorstellung mit Liam ins Bett zu gehen war alles andere als abschreckend, auch wenn sie noch keine genaueren Vorstellungen hatte und ob das, was man gelesen oder im Fernsehen gesehen hatte sich wirklich immer so abspielen würde.

 

Bestimmt würde ihr Schlafzimmerleben genauso rational und nett sein, wie der Kuss von vorhin … Bahh… nett … da war wieder dieses furchtbare Wort.

 

Es dauerte noch eine Weile bis sie endlich ruhig genug zu werden um in einen dämmrigen Schlummer zu fallen.

 

 

„Hi Peach, ist hier noch eine Flasche Scotch von der Party übrig?“ Spike war ohne anzuklopfen ins Wohnzimmer geplatzt und Liam, der über einigen Unterlagen brütete, sah erschrocken zu seinem Bruder auf.

 

„William, bist du verrückt? Wenn Buffy nun hier gewesen wäre? Ich dachte du willst so lange wie möglich inkognito bleiben?“ Nicht dass es ihn gestört hätte, aber wer weiß welchen Eindruck sein verdrehter Bruder auf seine Verlobte gemacht hätte….

 

„Keine Sorge, hab vorher durchs Fenster geschaut ob sie da ist… ich blamier dich schon nicht.“

 

Zielsicher hatte er die Gedankengänge seines Bruders erkannt und kramte im Fach der Zimmerbar nach geeigneten Spirituosen. Die kalte Dusche hatte verdammt noch mal nicht geholfen, also entschloss er sich seinen sexuellen Frust im Alkohol zu ertränken.

 

„Übrigens kannst du uns gratulieren. Buffy hat eben die Papiere unterschrieben. In drei Wochen ist die Hochzeit, du kannst ja bis dahin in deiner Hütte bleiben wenn du willst.“

 

Die Flasche zerbarst mit einem Knall auf dem Boden und Liam legte seine Unterlagen genervt auf den Tisch ab.

 

„Ach ja? Gratuliere!“

 

Spikes Stimme hatte einen bedrohlichen Unterton angenommen und Liam kannte seinen Bruder zu genau um nicht zu bemerken, dass etwas in ihm brodelte.

 

„Du hältst das immer noch für eine Schnapsidee, stimmt’s? Aber keine Angst William, ich denke es wird besser als ich mir vorgestellt habe. Vermutlich lodert unter der naiven Fassade ein kleiner Vulkan, den es zu wecken gibt.“ Er flachste eigentlich nur herum wie sie es früher getan hatten, wenn es um Mädchen ging, doch diesmal reagierte Spike nicht in seiner gewohnten spitzen Art, sondern knallte nur wütend das Barfach zu und schob mit dem Fuß die Scherben beiseite.

 

„Und wenn nicht, dann gibt es einmal die Woche Blümchensex und den Rest erledigen Jackies Mädchen diskret und anonym wie immer.“

 

Liam war nicht auf den Kopf gefallen und bemerkte die Veränderung seines Bruders nur zu genau … und es hatte etwas mit Buffy zu tun, da war er sich sicher.

 

In nur einem Satz hatte William die Distanz zischen sich und seinem Bruder überwunden und ihm wutentbrannt am Kragen gepackt. Für einen winzigen Moment glaubte Liam, dass er ihn schlagen würde, aber dann ließ er ihn schon wieder los, indem er ihn weit von sich stieß. Verdammt noch mal hatte er irgendetwas verpasst in den letzten Tagen?

 

Mit zusammengekniffenen Augen sah er zu, wie William schwer atmend und wütend seine Fäuste ballte und donnernd gegen die Wohnzimmerwand schlug um kurz drauf aus dem Haus zu verschwinden.

 

Nachdenklich sah der Größere ihm noch hinterher und griff dann schmunzelnd nach den Unterlagen.

 

Schweißgebadet wachte Buffy auf und sah erschrocken auf ihre Uhr. Es war bereits mehr als eine Woche vergangen, seit dem Tag im Gartenhaus und sie hatte es möglichst vermieden Spike wieder zu treffen. Ein paar Mal waren sie sich eher zufällig über den Weg gelaufen, aber dann war stets Liam an ihrer Seite gewesen und er hatte sie instinktiv, so dachte sie, schützend in den Arm genommen, sie in ein angeregtes Gespräch verwickelt, oder ähnliches gemacht um sie von ihm abzulenken.

 

Wobei das sicher nicht direkt nötig gewesen wäre, da er sie eh kaum eines Blickes würdigte.

 

Sie hasste sich für diese Träume, denn sie handelten meist von ‚ihm’, erstellt von ihrem dummen Unterbewusstsein und ihrem erweckten sexuellen Interesse an dem, was er als ihr in Aussicht gestellt hatte, sollte sie es noch einmal wagen zu ihm zu kommen. Je näher das Datum der Hochzeit rückte, desto schlimmer wurden diese Träume.

 

Zu allem Überfluss verhielt sich Liam auch noch wie der perfekte Verlobte. Täglich überraschte er sie mit kleinen Geschenken und Aufmerksamkeiten, ging mit ihr Essen, zeigte ihr die Stadt und die Umgebung. Brachte ihr Schachspielen bei, ging ins Kino und war überhaupt der perfekte Gentleman. Sie hatten sich noch öfter geküsst. Einmal sogar als Spike gerade mit seinem Motorrad vorbei gerast war und es war …nett… uhm, schon wieder dieses Wort … gewesen.

 

In diesen Tagen, in denen sich ihr komplettes Leben verändert hatte, machte sie das, was ihr in den vergangen Jahren entgangen war und konnte es nicht einmal richtig genießen wie es sich gehörte.

 

Ihr Vater hatte so glücklich am Telefon geklungen, als sie ihm erzählte das Liam der beste Ehemann war, den man sich nur vorstellen konnte und sie hätte sich lieber auf die Zunge gebissen, als ihm zu erzählen dass es da einen anderen gab, der täglich in ihren Träumen ihren Kopf verdrehte.

 

Jemanden, den sie kaum kannte, von dem sie nichts wusste und über den auch niemand in diesem Haus reden wollte.

 

Es war bereits Nachmittag, sie hatte sich nach dem Mittagessen nur kurz hinlegen wollen, war aber dann eingeschlafen. Eigentlich war sie um 4 Uhr mit Liam verabredet gewesen, aber der Wecker zeigte bereits eine viertel Stunde später und sie sprang erschrocken auf. Schnell schlug sie sich im Bad ein wenig kalte Wasser ins Gesicht und sprang dann schnell die Stufen herunter, wo Liam sie im Wohnzimmer schon erwartet.

 

„Hallo mein Schatz“ strahlte er und sah sich suchend im Zimmer um, als wenn er etwas verloren hätte.

 

„Entschuldige, ich bin eingeschlafen…“ versuchte sie eine Erklärung für ihre Verspätung zu geben, bemerkte dann aber, dass er ihr gar nicht zuhörte, sondern jetzt sogar auf die Knie gesunken war.

 

„Mika … komm her mein Süßer.“

 

Äh … sie verstand nicht, was das sollte, ging aber bereitwillig ebenfalls in die Hocke um sich suchend umzusehen.

 

Endlich schien er gefunden haben, was er suchte, denn Liam lag nun flach auf dem Bauch und griff energisch unter das Sofa um dann ein kleines Fellbündel hervorzuziehen.

 

„Hier, für dich, aber verrat nicht das ich ihn dir gekauft habe.“ Strahlend hielt er ihr das weiche Fellbündel entgegen, aus denen dunkle Knopfaugen ihr entgegenblickten.

 

„Ein Hund? Für mich?“ Sie konnte kaum glauben, dass er das wirklich getan hatte. Erst gestern hatte sie ihm erzählt, dass sie sich als Kind immer einen Hund gewünscht hatte und sofort war er los gewesen um ihr diesen Mädchentraum zu erfüllen. Nicht auszudenken was gewesen wäre, wenn sie ‚ein Pony’ gesagt hätte…

 

„Ja, nichts reinrassiges, aber ich fand ihn süß. Er  heißt übrigens Mika und ist noch sehr jung. Die Besitzerin meinte er würde noch größer.“ Fragend sah er Buffy an, die mit feuchten Augen den Welpen entgegenkommen hatte und ihn ungläubig streichelte.

 

„Es wäre vielleicht besser wenn du ihn in den  Garten bringst. Giles köpft mich, wenn ein Malheur passiert.“

 

Lächelnd ging Buffy sofort hinüber zu der Terrassentür und ließ den Kleinen hinaus in die parkähnliche Gartenanlage. Eine Weile sahen sie dem Welpen zu, als Liams Handy plötzlich klingelte und er genervt annahm. Nach zwei Sätzen war das Gespräch auch schon wieder beendet und er sah traurig zu seiner Verlobten herüber.

 

„Tut mir Leid, aber ich werde dringend in der Firma gebraucht, bis heute Abend.“ Sie drückte ihm noch dankbar einen Kuss auf die Wange und dann war er auch schon gegangen.

 

Buffy hatte Mika nur einen winzigen Augenblick aus den Augen gelassen, aber als sie aufsah war er schon verschwunden. Erschrocken rannte sie los und suchte die nähere Umgebung und die Büsche ab, doch der Hund schien wie vom Erdboden verschluckt.

 

„Mikaaaaaaaa….“ Sie erwartete nicht wirklich, dass der junge Hund auf sie hören würde, aber ihre Schritte wurden immer schneller und sie rannte ziellos durch den weitläufigen Garten. An dem schon leicht versumpften Gartenteich hörte sie endlich so etwas wie ein leises Jaulen und sie erkannte, dass der Kleine in dem matschigen Untergrund des Ufers stecken geblieben war. Todesmutig rannte sie regelrecht in das vermatschte Gestrüpp herein und sank beinahe bis zum Bauchnabel in den sumpfigen Untergrund, hangelte nach dem Hund und … steckte fest.

 

 

Toll … der Welpe war gerettet, leckte ihr gerade das mit Matsch bespritzte Kinn sauber und sie kam keinen Schritt vorwärts. Das konnte Stunden dauern bis jemand sie aus ihrem schlüpfrigen Gefängnis befreien würde. Missmutig blickte sie in das kleine Tiergesicht und hielt ihn mit beiden Händen hoch.

 

„Du hast mir da ja ganz schön was eingebrockt. Wir sitzen fest, ist dir das klar?“ Mika legte seinen Kopf schräg und hechelte, schien aber nicht so recht zu verstehen worum es bei diesem Spiel ging.

 

„Das kann du laut sagen. Darf ich fragen wie du das geschafft hast?“

 

Trotz ihrer nasskalten Situation wurde ihr augenblicklich heiß als sie die Stimme in ihrem Rücken vernahm. Langsam und soweit es ihr schlammiges Gefängnis zuließ, drehte sie sich um und sah wie Spike am Ufer stand und offensichtlich sehr schlecht gelaunt zu ihr blickte.

 

„Er ist schuld“ schimpfte sie lauthals zurück und hob den Hund soweit hoch, dass er ihn erkennen konnte.

 

Stirnrunzelnd sah sich Spike um, entschloss sich dann aber doch sich vorsichtig vorwärts zu bewegen. Er hatte Glück und fand eine einigermaßen feste Stelle, die es ihm erlaubte sich bis auf einen Meter Buffy zu nähern ohne selber tiefer als bis an die Knie einzusinken.

 

Naserümpfend nahm er zunächst den kleinen Hund entgegen, schüttelte den Kopf und setzte ihn am festen Ufer ab um dann Buffy seine Hand zu reichen. Es war schwerer als erwartet das Mädchen aus dem Schlamm zu ziehen und so lag sie kurz darauf beinahe im Matsch, als dass er ihr weit hätte helfen können. Mit viel Kraftaufwand und nicht ohne mit dem Hosenboden selber einmal Bekanntschaft mit der breiigen Pampe zu machen, schaffte er es schließlich sie beinahe völlig herauszuziehen und ächzend kämpfte sich Buffy selber das letzte Stück zurück bis auf festes Gebiet.

 

Erschöpft aber lachend nahm sie sofort den Hund auf den Arm und schimpft kräftig mit ihm, doch der hatte nichts Besseres zu tun als ihr einmal quer über das Gesicht zu lecken.

 

„Es wäre freundlich, wenn du das hier niemanden erzählen würdest“ bat sie nach einer Weile Spike, der gerade versuchte sich die modrigen Reste von der Rückseite seiner Hose zu wischen.

 

„Und wie willst du verhindern, dass du spurlos wieder ins Haus kommst?“ fragte er lachend und sah an ihr herunter.

 

Überall tropfte Matsch von ihr hinunter und sie erbärmlich aus. Erst jetzt merkte sie die Kälte die bis auf die Knochen ging.

 

„Shit“ flüsterte Spike und strich sich durch die Haare, als er sie zittern sah.

 

„Ja, ist ja gut. Ich schleich mich ins Haus und hol dir ein paar Sachen, du kannst dich bei mir duschen und umziehen.“

 

Keine Viertelstunde später stand sie summend unter der Dusche im Gartenhaus und rieb sich den letzten Dreck von der Haut. Der Welpe war sicher in einem großen Karton untergebracht, wo er unzufrieden vor sich hinjaulte, aber immerhin keinen Unfug mehr anstellen konnte während sie sich mühsam aus den voll gesogenen Kleidern schälte.  Alles war total ruiniert und taugte nur noch für die Tonne, aber Spike war ja schon unterwegs um ihre frischen Sachen zu bringen.

 

Sie betete inständig, dass ihn niemand sehen würde, nicht auszudenken was das für ein Gelächter gäbe wenn die Montgomerys erfuhren, dass sie im Gartenteich festgesteckt hatte….

 

Da er noch nicht wieder da war, hüllte sie sich solange in den Bademantel, der an der Tür hing und wartete die Zeit bis er wiederkam vor dem Fernseher. Zusätzlich hatte sie sich noch eine Decke, die auf dem Sofa lag, übergeworfen, da die Kälte immer noch nicht ganz aus ihren Knochen gewichen war, auch wenn es in dem Raum angenehm warm war.

 

Es dauerte auch nur wenige Minuten bis der junge Mann mit einem Bündel Sachen unter dem Arm erschien und sie ihr triumphierend entgegen streckte.

 

„Hier.“ Grinsend sah er zu wie sie versuchte mit der Decke aufzustehen, ohne das auch nur der Hauch von Haut von ihr zu erkennen war. Was allerdings nichts nutzte, da sie ihren Arm ja ausstrecken musste um ihm die Sachen abzunehmen.

 

Sein Hinweis darauf, dass er ihr auch frische Unterwäsche mitgebracht hatte trieb ihr schneller die Kälte aus dem Körper als angenommen und ihre Zähne knirschten aufeinander als sie ihre Kieferknochen zusammenpresste um einen scharfen Kommentar zu verschlucken und verschwand so schnell sie konnte im Bad.

 

 

 

Teil 6

 

Fünf Minuten später war sie umgezogen und fühlte sich wieder hervorragend wenn da nicht der glühende Blick ihres Retters gewesen wäre.

 

„Ich muss gehen…“ räusperte sie sich und wollte den Hund aus dem Karton heben, aber Spike hinderte sie daran.

 

„Es ist eh niemand da, nicht einmal Giles. Bleib und trink erst einmal etwas Warmes.“

 

Unsicher sah sie ihn an und fühlte ihr Herz laut klopfen. Es war nicht gut, länger als nötig mit ihm allein zu sein, das hatte ihre wenigen Begegnungen eindeutig gezeigt und sie zog wieder ihre Unterlippe ein, wie immer, wenn sie nervös war.

 

„Keine Panik … nur Trinken und Reden… es passiert nichts, was du nicht willst.“

Instinktiv hatte er ihre Gedanken erraten, allerdings alarmierte sie dies Versprechen eher mehr als das es sie beruhigte.

 

„Also gut, ein paar Minuten…“ stimmte sie zögernd zu. Sie freute sich auf etwas Warmes und nahm sich fest vor danach sofort zu gehen.

 

Dank einer in der kleinen Küchenzeile vorhandenen Mikrowelle stand eine Minute später ein dampfender Kakao vor ihrer Nase und sie setzte sich auf das Sofa, welches auch die einzige Sitzgelegenheit in dem Raum war. Sicherheitshalber rutschte sie in die eine Ecke als er Anstalten machte sich ebenfalls mit einem Becher Schokolade hinzusetzen.

 

Grinsend nahm er ihre Reaktion zur Kenntnis und rührte in seiner Tasse herum, pustete ein wenig und trank dann einen Schluck. Interessiert beobachtet sie wie er mit seiner Zunge über die Oberlippe fuhr um die Rest des Kakaos zu entfernen und merkte, dass es eine ganz dumme Idee gewesen war hier zu bleiben.

 

Mit Gewalt lenkte sie ihre Konzentration ebenfalls auf ihr Getränk und spürte wie sich seine Wärme wohltuend in ihrem Inneren verteilte.

 

„Du scheinst dich ja gut mit Liam zu verstehen“ brach er endlich die peinliche Stille zwischen ihnen und Buffy atmete erleichtert durch, das er das Gespräch auf ihren Verlobten brachte.

 

„Oh, er ist einfach…“

 

Nett… Himmel, Buffy, sag jetzt nicht nett, dann gehörst du in die tiefste Hölle…

 

„..nett“

 

Es war raus und sie kam sich vor wie eine Verräterin.

 

„Aha. Ja ich hab gesehen, dass ihr euch gut versteht, außerdem sprechen alle von nichts anderem als von der Hochzeit.“

 

Peinlich berührt beobachtet Buffy wie der Kakao sanfte Wellen in dem Becher schlug.

 

„Ja, es wird sicher wundervoll. Cordelia will nächste Woche mit mir das Kleid aussuchen gehen. Everett wollte ja ursprünglich eine große Sache daraus machen, aber ich hab ihn gebeten es im engsten Kreis zu belassen. Liam will sogar dafür sorgen, dass mein Vater kommen kann. Ach, er ist einfach traumhaft. Jeden Tag macht er mir Geschenke und überrascht mich mit neuen Dingen. Heute kam er mit Mika an, ist er nicht süß?“

 

Spike rümpfte die Nase und schielte zu dem Karton aus dem leise Schnarchlaute kamen.

 

„Unsere Hochzeitsreise will er unbedingt zu den Niagaras machen, obwohl ich mit jetzt nicht mehr sicher bin ob ich Wasser noch sehen mag“ grinste sie und plapperte weiter drauflos. Nur um die Zeit bis ihr Becher leer war schnell herumzubekommen und um aus seiner Nähe zu kommen.

 

„Er hat mir übrigens angeboten, dass ich an den Planungen für das Hotel mitwirken soll, da Clearwater ja in seinem Urzustand bleiben soll. Ist das nicht eine gute Idee? Liam ist einfach so…“

 

„…nett“ brachte Spike ihren Satz zu Ende und sie verschüttete beinahe etwas von der heißen Flüssigkeit weil ihre Hand anfing zu zittern.

 

Durchatmend setzte sie ihre Tasse ab und stand auf um sich zu verabschieden, doch Spike machte keine Anstalten sich ebenfalls zu erheben. Sie unterdrückte den Wunsch ihm die Hand zu reichen, das hätte sie um den letzten Funken Verstand gebracht.

 

„Ach, und äh … danke für alles, das war wirklich…“

 

„Nett?“

 

Argh ,noch einmal dieses Wort und ich bring ihn um, dachte sie und holte noch einmal Luft.

 

Erst jetzt erhob er sich gemächlich und begleitete sie zur Tür.

 

„Hast du nicht etwas vergessen?“ fragt er sie im Hinausgehen und erschrocken drehte sie sich zu ihm um.

 

„Was?“ Ihre Stimme war mehr ein Fiepen als ein Sprechen und so langsam bekam sie Schwierigkeiten klar zu denken.

 

„Na, den Köter…“

 

Erleichtert seufzte sie auf und rannte förmlich zu der Kiste um den Welpen herauszunehmen und sofort wieder Richtung rettenden Ausgang zu eilen.

 

Wieder versperrte er ihr den Weg und lächelte ein beunruhigendes wissendes Lächeln, was ihre eine Gänsehaut nach der anderen über den Rücken jagte.

 

Sie musste hier heraus, auf der Stelle.

 

„Du vergisst wirklich alles.“ Seine Stimme klang beunruhigend sanft und er zeigte auf die große Tüte, in der sich noch die furchtbaren Reste ihrer Kleidung befanden.

 

Wieder eilte sie zurück, schnappte sich mit der verbleibenden freien Hand die Tasche und hechtete förmlich wieder zur Tür, deren Knauf Spike schon in der Hand hielt.

 

„Danke noch einmal … für alles“ flüsterte sie erleichtert und wartete darauf, dass er die Tür für sie aufmachen würde, doch sie sah wie seine Kieferknochen mahlten, als wenn er noch etwas sagen wollte.

 

„Du hast immer noch etwas vergessen.“

 

Unsicher sah sie sich um und wusste nicht was er meinte. Überrumpelt und widerstandslos ließ sie zu, dass er ihr den Hund aus der Hand nahm und auf den Boden setzte, ebenso die Tasche, die sie beinahe verkrampft festhielt.

 

„Ich habe dir beim letztens gesagt, dass es nicht mehr beim Küssen bleibt, wenn du das nächste Mal hier auftauchst.“

 

Böse Falle Buffy. Natürlich hatte sie das nicht vergessen, warum war sie so versessen darauf gewesen endlich von hier weg zu kommen?

 

„Aber wir haben uns nicht geküsst“ stotterte sie und sah dem Hund hinterher, der unter dem Sofa verschwand.

 

„Noch nicht“ grinste er und sie musste hart schlucken.

 

„Aber du hast gesagt, dass nichts passiert, was ich nicht will…“ unternahm sie einen letzen Versuch zu entkommen und grabschte nach dem Türknauf.

 

Die Sachen waren eh hinüber und den Hund musste sie für ihr Seelenheil opfern …

 

„Das wird es auch nicht“ stimmte er ihr zu und wiegte sie eine Sekunde in Sicherheit, aber dann hatte er auch schon seine Hand erhoben und um ihren schmalen Hals gelegt.

 

Allein die Berührung elektrisierte sie bis in die Zehenspitzen und ihr Atem ging nur noch stoßweise.

 

Wie in Zeitlupe näherte sich sein Mund ihrem und ließ ihr eigentlich noch genügend Zeit für ein Nein, eine Flucht oder irgendetwas, was sie davon abhalten würde, aber sie wollte ihn, verdammt. Sie wollte es mehr als alles andere und das wurde ihr unmissverständlich klar, als sich ihre Zungen berührten.

 

Wenn allein ein Kuss sie schon derart um den Verstand brachte, was würde dann bei mehr passieren? War das überhaupt normal? Rationales Denken war unmöglich wenn sich das Blut an Körperstellen sammelte, dessen Namen sie sich nicht einmal traute öffentlich auszusprechen…

 

Den nächsten einigermaßen kontrollierten Gedanken fasste sie erst, als er seinen Mund von ihr löste und mit seiner Zunge begann von ihrem Ohrläppchen herunter bis zu ihrem Schlüsselbein eine feurige Spur hinterließ.

 

Irgendwo in einer Gehirnhälfte schaltete sich so etwas wie eine Warnlampe ein, die sie endlich dazu brachte ihre Hände zu heben und auf seiner Brust abzusetzen.

 

„Spike, wir … ich meine, ich …“

 

Brachte das Gestammel überhaupt etwas? Der Sinn ihres begonnenen Satzes war ihr verloren gegangen, als seine Hand langsam unter ihrem T-Shirt begann ihre Bauchdecke zu streicheln, aber William hatte sie verstanden und unterbrach schweren Herzens.

 

„Nur ein Wort und wir hören auf, aber dann sag mir das es dich genauso verrückt macht wenn er dich küsst oder anfasst…“ zischte er zwischen den Zähnen hervor, da er glaubte ihr schlechtes Gewissen würde sich regen.

 

 

Buffy schüttelte den Kopf und ihr Atem ging nur noch rasselnd. „Nein, ich meine, er fasst mich nicht an und seine Küsse sind …“

 

„Nett?“ grinste Spike süffisant sah amüsiert zu wie sich ihre Augen vor Verzweifelung schlossen.

 

Ihr Schweigen war ihm Antwort genug und mit einer fließenden Bewegung hatte er sie hoch gehoben und im Nebenraum aufs Bett gelegt.

 

Ängstlich, aber unfähig auch nur irgendetwas als Gegenwehr zu unternehmen, ließ sie zu dass er ihr das Shirt über den Kopf zog und sie zitterte unter seinem Blick. Die dünne Hose war genauso schnell entfernt und sie sah mit brennenden Augen zu wie er sich ebenfalls bis auf die Short auszog und zu ihr legte.

 

Ihr entging nicht seine Erregung, die sich zu deutlich unter dem dünnen Stoff abzeichnete und sie zog scharf die Luft ein, als er mit einer einzigen Handbewegung von ihrem BH befreite.

 

Sie verschränkte ihre Arme über der Brust und wünschte sich zähneklappernd er würde die Verdunkelung herunterlassen, aber den Gefallen tat er ihr nicht.

 

Stattdessen setzte er sich rittlings auf ihre Hüfte, presste sie so ans Bett und zog an den Handgelenken ihre Arme wieder auseinander. Wieder küsste er sie, doch diesmal überwog in ihr die Unsicherheit vor dem was kommen würde.

 

Er spürte ihre Angst und knabberte nun liebevoll an ihrem Halsansatz und wartete ab bis sie sich ein wenig entspannte, auch wenn es ihn einen gehörigen Teil seiner Selbstbeherrschung kostete.

 

„Wir hören sofort auf wenn du willst, du brauchst nur ‚Stopp’ zu sagen, Liebes.“

flüsterte er ihr ins Ohr, auch wenn er wahrscheinlich in dem Fall drei Tage nicht mehr gehen können würde.

 

Er fühlte, wie sich ihre angespannten Muskeln ein wenig lockerten und küsste sie noch einmal zärtlich, bevor er seine Hände auf Wanderschaft über ihren Körper schickte.

 

Endlich traute auch sie sich ihn zu berühren und ausgelöst durch sein Versprechen wurde sie zunehmend mutiger. Ihre Finger glitten über seinen Rücken, Schulterblätter und, nachdem er sich aufgerichtet hatte über seine Brust, tanzten über die Bauchmuskeln die sich flatternd zusammenzogen und blieben schließlich am Ansatz seiner Hose stocken.

 

Fluchend befreite er sich von dem überflüssigen Kleidungsstück und ließ sie erst einmal auf Forschungsreise gehen. Immerhin war es das erste Mal für sie und er wollte sie mit nichts erschrecken, außerdem sollte es ein unvergessliches Erlebnis für beide werden und keine schnell Nummer.

 

Er hatte sich neben sie auf den Rücken gelegt und genoss ihre streichelnden, sinnlichen Hände auf seiner Haut. Für einen Augenblick stockte sie und zischte kurz als sie sein erigiertes Glied sah, wurde dann aber noch mutiger und strich mit ihren Fingern sanft über die geschwollene Eichel.

 

Er zuckte zusammen und schielte vorsichtig nach unten, aber Buffy war völlig fasziniert und nahm ihn jetzt ganz in die Hand. Die Haut war seidig und warm, drunter aber ganz hart und Adern zeichneten sich darauf ab. Sie war überrascht von der Größe und fragte sich ängstlich wie das passen konnte, wenn doch schon ein Tampon einzuführen an manchen Tagen ein ernsthaftes Problem darstellte und zuckte dann erschrocken zurück, als er ihr Handgelenk griff und ihre Hand von ihm wegzog.

 

„Hab ich dir wehgetan?“ fragte sie furchtsam und war erleichtert als er den Kopf schüttelte.

 

„Nein, aber wenn du nicht aufhörst passiert gleich ein Unglück“ grinste er und warf sie wieder auf den Rücken.

 

„Ich bin dran“ lächelte er und sah wie sich ihre Augen erschrocken öffneten, als er eine ihrer aufrecht ragenden Brustwarzen in den Mund nahm und zärtlich daran saugte.

 

Oh Gott, das war der Himmel!

 

Das Gefühl ging direkt durch bis in die Lendengegend, die sich beinahe schmerzhaft zusammenzog und sie keuchte auf als seine Hand anfing die Innenseiten ihrer Schenkel zu streicheln. Reflexartig klemmte sie ihre Beine zusammen und schämte sich für ihre Unerfahrenheit in solchen Dingen. Einzig ihr Höschen welches sie immer noch anhatte gab ihr ein Gefühl von Sicherheit.

 

Wieder unterbrach er sich und knirschte beinahe mit den Zähnen weil er sich so schwer beherrschen konnte, wartet aber geduldig ab und küsste sie zärtlich bis er merkte, dass sich ihre Beine ein wenig öffneten.

 

Schnell schob er sich auf sie und klemmte ein Bein dazwischen, küsste sie aber weiter, so dass sie keine Gelegenheit bekam nachzudenken was da passierte.

 

Automatisch hatten sich ihre Knie angezogen und verschafften ihm mehr Platz zwischen ihren Schenkeln und während er eine Hand unter ihren Nacken geschoben hatte, ging die andere auf Wanderschaft und strich über ihre empfindlichen Seiten.

 

Sie stöhnte kurz auf als sein Oberschenkel über ihren Venushügel rieb und dabei Gefühle auslöste, von  denen sie nicht geahnt hatte, dass es so etwas überhaupt gab.

 

Erschrocken keuchte sie auf als er sich nun komplett zwischen ihre Beine schob und sein Geschlecht ihr in den flachen Bauch drückte, dann löste er sich von ihr und sie sah schwer atmend zu wie er sich tiefer schob und mit einer Hand über die feuchtwarme Unterseite ihres Slips fuhr.

 

Ungeduldig riss er das störende Stück Stoff einfach weg und ignorierte ihr ängstliches Fiepen. Wieder küsste er sie, ließ aber nicht mehr zu, dass sie ihre Schenkel zusammendrückte, sondern fuhr vorsichtig mit seinem Daumen über den Scheitelpunkt ihrer Schamlippen und brachte sich selber beinahe um den Verstand, weil er immer noch abwartete und nicht einfach über sie herfiel.

 

Ihre Augen waren jetzt glasig und ihre Lippen gerötet vom vielen Küssen und mit seiner Beherrschung war es nicht mehr weit hin. Mit einem Finger drang er nun in die feuchte Höhlung und registrierte ihr entzücktes Aufstöhnen als Einladung weiter zu gehen. Wieder rutschte er ein Stück tiefer und mit ängstlich aufgerissenen Augen starrte Buffy hinter ihm her.

 

Sie hatte Panik vor dem was unweigerlich passieren würde, wäre aber gestorben wenn er jetzt aufgehört hätte, dessen war sie sich sicher. Oh mein Gott … sie sah noch wie sein Kopf zwischen ihren Beinen versank und dann ruckte ihr Kopf in den Nacken und sie gab nur noch kurze, abgehackte Laute von sich als seine Zunge rau über das Zentrum ihrer Lust rieb.

 

Ein Finger fuhr in sie, dann ein zweiter… Himmel, sie war so eng. Er hatte Angst ihr mehr weh zu tun als nötig, aber ihre Laute und ihre nun nasse Hitze machten ihn verrückt. Ein dritter Finger schob sich dazu und er registrierte, dass sie aufstöhnte als er sie weitete. Seine Zunge fuhr wieder über ihre geschwollene Klitoris und augenblicklich entspannten sich ihre Muskeln ein wenig, so dass er sich etwas tiefer schieben konnte.

 

Ihre Hände krallten sich schmerzhaft in seine Haare, aber das törnte ihn nur noch mehr an und nachdem er anfing sich vorsichtig in ihr zu bewegen, spürte er wie sie plötzlich losließ und ihre Finger am Laken rissen.

 

Sie schrie auf und ihr Becken zuckte, als sie den ihren Höhepunkt erreichte.

 

Er zog sich zurück, auch wenn er kurz davor war, den Heldentod zu sterben und legte sich wieder auf sie.

 

Sie hatte immer noch ihre Augen geschlossen und atmete heftig. Mit seinen Fingern strich er über ihre leicht geöffneten Lippen und wartete ab bis ihr Atmen sich etwas beruhigt habe.

 

Endlich öffnete sie ihre Augen und sah überrascht in Spikes Gesicht, der ein kaum sichtbares Lächeln aufgesetzt hatte und ihr die Strähnen aus dem Gesicht strich. Dann küsste er sie und schob sich erneut zwischen ihre Beine, doch diesmal kam keine ängstliche Gegenwehr mehr.

 

Ihre Hände fuhren über seinen Rücken, kratzen dünne Spuren als er vorsichtig begann sich in sie hineinzuschieben.

 

„Wird es wehtun?“ fragte sie unsicher als er stockte und abwartete, dass sie sich weiter für ihn öffnete.

 

Er nickte und küsste sie erneut, doch als sie anfing sich vorsichtig unter ihm zu bewegen, setzte jede Vorsicht bei ihm aus und er stieß heftig und ohne weitere Rücksicht tief in sie hinein.

 

Der Schmerz war heftig, aber nicht so schlimm wie sie erwartet hatte und verebbte als er begann sich behutsam in ihr auf und ab zu bewegen. Sie konnte kaum glauben das dies die gleichen Gefühle auslösen konnte wie das, was er vorhin mit ihr gemacht hatte und sie stöhnte auf als sie spürte, dass sie sich der nächsten Explosion näherte, doch dann war ihr auch schon kein Denken mehr möglich…

 

Er wusste nicht ob sie schlief, aber es sah so aus.

 

Sie lag neben ihm, ein Bein und ein Arm um ihn geschlungen und ihr Gesicht lag auf seiner Schulter, nur die gleichmäßigen Atemzüge bewegten ihren Körper und er strich ihr sanft über die Haare.

 

Das Mädchen ging ihm mehr unter die Haut als er zugeben konnte und er wusste dass es eigentlich an der Zeit war zu sagen, wer er wirklich war, doch das wäre … verdammt … dann würde sie erwarten, dass er … warum war das nur so kompliziert? Und dann war da noch Liam, der sicher enttäuscht wäre … Er war ja so ein Idiot gewesen, warum hatte er nicht auf sein Gefühl gehört und war abgehauen als es noch Zeit dafür war?

 

Sie bewegte sich und erst jetzt, als er zu ihr herübersah, bemerkte er, dass sie ihn beobachtete. Für eine Weile verloren sie sich im gegenseitigen Blick bis sie aufseufzte und ihre Lider niederschlug.

 

„Ist es immer so?“ fragte sie leise und malte mit ihrem Finger geheimnisvolle Zeichen auf seine nackte Brust.

 

Gott, was sollte er ihr denn sagen? Das es mit Liam vermutlich nie so sein würde? Allein die Vorstellung, dass sein Bruder sie auch nur anfasste verursachte ihm Übelkeit … oder wie zum Beispiel sollte er ihr erklären, dass eine schnelle Nummer bei Jackys Mädchen nicht so intensiv war, wie das, was sie gerade hatten?

 

„Kommt drauf an…“ Tolle Antwort…

 

„Worauf?“

 

Das war ja klar. Er seufzte auf und setzte sich soweit auf, dass ihr Kopf auf seinen Bauch rutschte.

 

„Ich kann dir das nicht vernünftig erklären. Wenn man die gleiche Leidenschaft füreinander empfindet dann ja, ansonsten ist es nicht so … intensiv. Es gibt auch Fälle wo ‚es’ gar nicht passiert“

 

Sie schien einigermaßen zufrieden mit der Antwort zu sein, zumindest war sie nun still.

 

In ihm kam der Wunsch nach einer Zigarette hoch, doch wollte er auch auf keinen Fall, dass sie Anstalten machte, sich aus dem Bett zu bewegen.

 

 

Teil 7

 

„Ich muss gehen.“ flüsterte Buffy und starrte an die Zimmerdecke. Vor allem musste sie endlich ihre Gedanken und Gefühle sortieren und das war in seiner Nähe nicht möglich.

 

Eifersucht kochte in ihm hoch und er schüttelte energisch den Kopf.

 

„Bleib bitte. Vergiss das ganze Theater mit der Heirat. Wir könnten einfach verschwinden und ….“

 

„Und was dann? Ich kann meinen Vater nicht hängen lassen. Außerdem wäre es unfair gegenüber Everett und Liam, zumindest wäre ich ihnen eine Erklärung schuldig. Ich kann mich nicht vor meiner Verantwortung drücken….“

 

Darüber hätte sie lieber in Ruhe nachgedacht, aber auch dann wäre sie zu keinem anderen Ergebnis gekommen. Es gab keine Lösung für ihr Dilemma und dessen wurde sie sich mehr und mehr bewusst. Es schmerzte sie, vor allem nachdem sei miteinander geschlafen hatten ihm das zu sagen. Allein die Vorstellung das gleiche mit Liam zu tun war … unmöglich. Sie mochte ihn, aber es war ihr schlagartig klar, dass sie nicht mehr für ihn empfand als für einen Bruder und das würde sich auch nicht mehr ändern ... jetzt nicht mehr…

 

Seine Brauen zogen sich missmutig zusammen, als er sah wie sie aufstand und ihre Sachen zusammensuchte.

 

Warum sagte er ihr nicht einfach die Wahrheit? Es war nur ein einfacher Satz und sie würde nicht gehen müssen… nie mehr. Aber sein hirnrissiges Ego verlangte jetzt förmlich danach das sie sich einfach so für ihn entschied. Ohne wenn und aber ...

 

Sie war gegangen. Einfach so, ohne sich zu verabschieden oder ein weiteres Wort zu sagen und es machte ihn wütend. Er war wütend auf sie, auf ihren Vater, auf seinen Vater, Bruder, dieses bescheuerte zukünftige Hotel und vor allem auf sich…

 

Buffy hatte sich unter dem Vorwand sich nicht wohl zu fühlen den Rest des Tages in ihrem Zimmer verkrochen und auch das Tablett mit einigen Sandwichs, dass ihr Giles heraufgebracht hatte, stand noch unberührt auf dem Schreibtisch herum und sie hatte auch nicht aufgemacht als es zweimal leise an ihrer Tür geklopft hatte und ließ denjenigen im Glauben sie würde schlafen.

 

Das Schlimme war, dass sie Everett inzwischen gut genug kannte, dass er niemals ihren Vater im Stich lassen würde, selbst wenn sie Hals über Kopf mit Spike durchgebrannt wäre. Doch sie hätte sich das selber nie verziehen. Der ältere Mann und Liam waren so respektvoll zu ihr, vertrauten ihr und verließen sich auf sie. Auch Liam würde nie erwarten, dass sie jemals wahre Liebe für ihn empfinden würde, und sie fühlte sich wie eine Verräterin dabei. Sie konnte es drehen oder wenden wie sie wollte, irgendjemand würde sie, egal was sie auch tat, verletzen und auf keinen Fall glücklich werden.

 

Was Spike wohl von ihr dachte? Sicher war enttäuscht, dass sie schnöden Mammon ihm vorzog, aber sie war auch vernünftig genug zu denken, dass es sicher nur eine Affäre mit ihm sein würde. Vielleicht dachte er ja genauso… vielleicht hatte es ihn ja auch nur amüsiert eine kleine Jungfrau in sein Bett zu bekommen? Ihre Gedanken führen Karussell und erst als sie viel zu erschöpft und müde wurde fielen ihr die Augen zu …

 

Es gelang ihr nur mühsam in den nächsten Tagen die grässliche Fassade der glücklichen Verlobten zu spielen. So oft es ging verbrachte sie ihre Zeit allein, spazierte mit Mika durch die Umgebung, vermied Garten und Garage um jeden Preis und fühlte sich furchtbar.

 

Beinahe stündlich erwischte sie sich bei dem Gedanken einfach zur Hütte zu rennen … und brachte sich bald um den Verstand damit. Es hatte angefangen zu regnen und sie lief den Rest des Weges zurück zum Haus, denn obwohl sie die drohenden Wolken gesehen hatte, war sie dumm genug gewesen ohne Regenjacke loszuziehen, also spurtete sie mit dem fröhlich kläffenden und in seine Hundeleine beißenden Mika die kurze Strecke zurück, aber sie war klatschnass als sie endlich ankam.

 

Zu allem Überfluss hatte sich Mika unterwegs auch noch genüsslich in einer Pfütze gesuhlt… Der Hund hatte einfach eine Vorliebe für Matsch… er schüttelte den Dreck aus seinem Fell als sie vor der Haustür standen. So kann ich ihn unmöglich mit reinbringen, dachte sie zerknirscht und entschloss sich durch den Keller zu gehen, dessen Tür sich an der Seite des Gebäudes befand um den kleinen Kerl erst einmal ordentlich abzutrocknen.

 

Im dem Teil, wo sich auch die Waschmaschinen und Trockner befanden, fand sie zwischen ein sauberes Handtuch und rubbelte vorsichtig das Fell des Welpen sauber. Hinter ihr lag ein Berg von Dreckwäsche, welche einfach meist, durch die Klappe in einem der Flure des Hauses geworfen wurde und sie hörte leise Stimmen durch den Schacht dringen.

 

„... und er kommt seit Tagen nicht mehr aus dem Gartenhaus heraus. Stockbetrunken war er heute wieder als ich den Kühlschrank aufgefüllt habe, so geht das einfach nicht weiter. Faselt dauernd von dem Mädchen und der Hochzeit“

 

Deutlicher erkannte sie nun die Stimme von Giles, der offensichtlich über Spike sprach.

 

„Rupert, du musst mit Mr. Montgomery sprechen, so geht das wirklich nicht“ hörte sie die leise verklingende Stimme der Köchin dazu antworten, aber dann entfernten sich die beiden offenbar wieder, denn das Murmeln wurde undeutlich und verschwand dann völlig.

 

Tränen schossen ihr in die Augen und sie fühlte sich nun endgültig als der schlechteste Mensch auf Gottes weiter Erde. Bestimmt war es ihre Schuld, dass er trank und wenn er nicht aufhörte würde er sicherlich gekündigt!

 

Ihre aufkommende Übelkeit war keine gute Strafe, aber sie musste einfach mit ihm reden und ihn zur Vernunft bringen. Auf keinen Fall durfte er wegen ihr seinen Job verlieren, das würde sie sich nie verzeihen können.

 

So schnell sie konnte zog sie ihre nassen Schuhe wieder an, klemmte Mika wieder an die Leine und schlich sich aus dem Keller durch den Regen in den Garten.

 

Einige Minuten später hörte sie schon laute Musik aus der Blockhütte dringen und sie klopfte erst gar nicht an, da er wahrscheinlich eh nichts hören würde bei dem Lärm.

 

Drinnen war das Chaos. Einige Flaschen standen leer auf dem Tisch und neben dem Sofa verteilt, Wäschestücke lagen auf dem Boden verteilt und die Stereoanlage war bis zum Anschlag aufgedreht, dass die Scheiben klirrten. Das Erste was sie tat, nachdem sie ihn in dem kleinen Wohnzimmer nicht sah, war die Anlage auszustellen und erleichtert stellte sie fest, dass das schrille Klingeln in ihren Ohren nachgelassen hatte.

 

Sie drehte sich um, ließ Mika von der Leine, der sich sofort daran machte irgendwelche Essensreste vom Boden zu suchen und ging herüber zum Schlafzimmer, aber da stand auch schon vor ihr und sah sie böse an.

 

„Was willst du hier?“

 

Er sah schrecklich aus. Sein Haar war völlig zerzaust und auf seinem Kinn sprossen dunkle Barthaare. Das T-Shirt schien er auch schon einige Tage zu tragen, zumindest roch es unangenehm und hatte dieser Mann eigentlich auch andere Hosen als schwarze Jeans, oder war es immer die gleiche?

 

„Was ich hier will? Spinnst du eigentlich? Weißt du eigentlich, dass Giles schon über dich redet?“ Ihre Worte sprudelten nur so über ihre Lippen und sie hatte ihre Fäuste in ihre Seiten gestemmt.

 

„Hab Urlaub…“ brummte Spike als Antwort, rauschte an ihr vorbei und schüttelte eine der Flaschen auf dem Tisch, aber die war leer.

 

„Das ist trotzdem kein Grund sich zu besaufen und so zu benehmen. Was meinst du was passiert wenn Giles Everett informiert?“

 

Sie sah einfach hinreißend aus, so wütend, dachte er in seinem von Alkohol vernebelten Geist und schüttelte sich dann aber diese Art von Gedanken aus dem Kopf.

 

„Hast du Angst, dass der liebe Everett oder der nette Liam erfahren was wir getan haben?“

 

Die Spitze hatte gesessen und Buffy knirschte mit ihren Zähnen.

 

„Selbst wenn, das wäre doch egal … Liam und ich würden trotzdem heiraten, aber du wärst deinen Job los, sei doch vernünftig.“ Sie sprach mit ihm wie mit einem Kind und das machte ihn nur noch zorniger.

 

„Liam, Liam, Liam …. Der gute Liam, der nette Liam…“

 

Konnte er mal aufhören das Wort so oft zu benutzen? Sie war stinksauer und er trug nicht gerade zur Verbesserung ihrer Stimmung bei.

 

In einer der Flaschen fand er endlich eine Pfütze goldbrauner Flüssigkeit und er trank den letzten Rest in einem Zug aus und warf dann die Flasche zerberstend an die Wand.

 

Erschrocken zuckte sie einen Schritt zurück und sah zu der Ausgangstür herüber. In dem Zustand war vernünftige Reden mit ihm wohl nicht möglich.

 

Er schien ihren Gedanken zu erraten und trotz des Alkohols war er schneller und schnitt ihr den Weg ab. Er wollte nicht, dass sie ging, er wollte dass sie nie wieder ging, aber sein ausgeklinkter Verstand genoss ein wenig die Angst in ihren Augen.

 

Ohne zu überlegen griff er nach ihr, presste sie an die Wand und küsste sie hart. Seine Bartstoppeln rieben schmerzhaft auf ihrer Haut und er ignorierte ihre Fäuste, die gegen seine Brust trommelten und versuchten ihn wegzudrücken.

 

Um das störende Hämmern zu unterbinden griff er grob nach ihren Handgelenken und hielt sie einfach über ihrem Kopf fest, doch jetzt waren es ihren Beinen, die Gegenwehr leisteten.

 

Im letzten Moment zuckte er zurück als sie versuchte ihr Knie in seinen Unterleib zu rammen und mit einem bösen Grinsen ließ er kurz von ihr ab. Schwer atmend stand sie da und Tränen sammelten sich in ihren Augen.

 

„Ich will nicht, dass du gehst“ schrie er zerknirscht und drehte sich wütend über sich selber weg.

 

„Das würde ich auch nicht, wenn ich könnte“ flüsterte sie nur, griff nach dem Hund und verschwand wieder im Regen.

 

***

 

Irgendein leises Geräusch hatte sie aus ihrem traumlosen Schlaf geweckt und für einen Moment sah sie sich orientierungslos im Zimmer um, aber es war nichts zu entdecken. Doch da war es wieder… Eine Art Klacken, wie wenn jemand an ein Glas schlägt.

 

Erschrocken hüpfte sie aus dem Bett und rannte zum Fenster herüber, schob die Scheibe nach oben und starrte in die Dunkelheit. Es hatte aufgehört zu regnen und nebeliger Dampf lag über der Erde, doch sie erkannte trotzdem sofort wer da unter ihrem Fenster stand.

 

„Spike!“ zischte sie, gerade so laut, dass es niemand mitbekommen sollte. „Was tust du hier, bist du völlig verrückt geworden?“

 

„Ich muss mit dir reden“ kam es zurück und sie sah gehetzt nach rechts und links ob irgendwo in einem der Fenster ein Licht angehen würde.

 

„Nein“ flüsterte sie nervös geworden. Himmel, was wenn ihn jemand hören würde?

 

„Komm runter oder ich komme rauf!“

 

Verdammt, bestimmt würde gleich das ganze Haus wach sein, auch wenn sie wusste das die anderen Schlafzimmer weiter hinten lagen, so war sie sich nicht sicher ob nicht vielleicht doch jemand etwas mitbekam.

 

„Geh, sofort!“ Ihre Stimme war immer noch gedämpft, aber resolut und mit Bestimmtheit zog sie das Fenster wieder herunter. Ihr Herz klopfte ihr bis zum Hals. Sie wartete ein paar Minuten und schielte dann vorsichtig wieder durch das Glas nach unten, aber er schien verschwunden zu sein. Ein Blick auf die Digitalanzeige des Weckers zeigte ihr, dass es fast 4 Uhr war und erschöpft setzte sie sich wieder auf ihr Bett.

 

Jetzt würde sie sicher nicht mehr schlafen können und das war sowieso schon seit Tagen ein Problem. Wie einfach und normal war ihr Leben doch bisher gewesen, trotz aller Sorgen und Nöte. Jetzt war es nur noch Chaos!

 

Der einzige Trost war ihr, dass sie sich keine Sorgen mehr um ihren Vater machen musste. Sie knipste die Nachttischlampe an und griff nach dem Buch auf der Ablage. Das half manchmal ein wenig sie abzulenken, aber nur für Minuten, dann kreiselten wieder Gedanken und Gefühle in ihrem Kopf herum. Fest steckte sie ihr Bettlaken um sich herum, blätterte auf die Seite wo sie zuletzt gewesen war und versuchte die Zeile wieder zu finden, als sie auch schon das leise Quietschen des Türknaufs vernahm.

 

Erschrocken warf sie ihre Lektüre beiseite und starrte ungläubig auf den jungen Mann, der da vor ihr stand.

 

„Ich habe doch gesagt ich muss mit dir reden.“

 

War das ein Grund einfach mitten in der Nacht in ihr Zimmer zu platzen? Sie unterdrückte geistesgegenwärtig ihren Wunsch ihn anzuschreien, sondern zog es vor ihn mit Blicken zu töten, was aber wohl nicht glaubwürdig genug herüberkam, denn er stand auch schon an ihrem Bett und setzte sich einfach frech dazu.

 

„Es tut mir leid, was ich heute Nachmittag getan habe, aber mein Temperament geht öfter mit mir durch“ begann er seine Entschuldigung und Buffy seufzte auf.

 

Zumindest schien er wieder nüchtern zu sein, was ein wahrer Vorteil für gescheite Kommunikation war.

 

„Schon gut“ beschwichtigte sie ihn, doch er schien noch nicht wieder gehen zu wollen.

 

„Ich werde fortgehen und wollte dich fragen ob du mitkommst.“

 

Wieder seufzte sie auf. Alles in ihr schrie JA. Egal wie lange es dauern würde, sie war sich sicher, dass es die beste Zeit ihres Lebens sein würde, doch im gleichen Maße wie die Sehnsucht in ihr anstieg mit ihm durchzubrennen, erkannte sie auch, dass sie sich es selber niemals verzeihen würde.

 

„Ich kann nicht.“ Ihre Stimme klang traurig und sie griff nach seiner Hand, die auf ihrer Überdecke ruhte.

 

„Und wenn ich dir sagen würde, dass ich…“

 

Sie drückte ihm ihre Finger auf die Lippen, so dass er nicht mehr weiter sprechen konnte.

 

„Ich habe mich genauso Hals über Kopf in dich verliebt.“ Sie war sich sicher, dass er ihr genau das sagen wollte und ließ nicht zu, dass er weiter sprach. „Ich darf nicht nur an mich denken, da ist mein Vater und da ist Clearwater, das schon seit Generationen in der Familie ist. Das Haus wäre mir egal, glaub mir. Es war mir wichtig, aber das ist es nicht mehr, nicht nach all dem hier. Ich würde sogar Everett oder Liam die Wahrheit über uns sagen, dass wäre mir auch gleichgültig ob sie mich dann verurteilen, aber da ist immer noch mein Pa … er braucht diese Hilfe und ich bin es ihm einfach schuldig. Ich werde Liam heiraten. Ich werde vermutlich nie das erleben was ich mit dir hatte, auch wenn es kurz war und ich werde es den Rest meines Lebens bereuen, aber ich werde es tun.“

 

Er hatte ihr sagen wollen wer er ist, doch sie hatte es verhindert und jetzt war er über den Punkt hinweg.

 

„Du würdest es ihnen sagen?“ Der Gedanke an die Gesichter der beiden entlockte ihm ein Lächeln.

 

Sie nickte zustimmend, aber traurig und krallte sich förmlich in seine Hand.

 

„Bitte bleib noch ein wenig“ flüsterte sie und ihre Augen funkelten im Licht der Nachttischlampe. „Bleib wenigstens bis zur Hochzeit, danach kannst du immer noch gehen.“

 

Wenn sie verlangt hätte, dass er aus dem Fenster springen sollte, in diesem Moment hätte er es getan. Ihre großen Augen sahen ihn an und ihre Unterlippe zitterte während sie zusah, wie er nachdachte. Dann nickte er, senkte seinen Kopf und sie verloren sich in einem Kuss.

 

Sie wusste nicht mehr wann er auf dem Bett gelandet war, wann und wie sie ihre Sachen ausgezogen hatte, aber das war auch nicht wichtig. Sie wollte es, brauchte es und wenn es nur dazu da war, eines Tages eine Erinnerung an etwas zu besitzen, was sie nie wieder haben durfte…

 

 

Teil 8

 

 

Als sie morgens erwachte war das Bett neben ihr kalt und leer. Sie hatte nicht mitgekommen, wann er gegangen war, aber es war besser so, auch wenn die Leere in ihr kaum zu ertragen war.

 

Sie fühlte sich wie eine Verräterin am Frühstückstisch und konnte Liam und seinem Vater nicht einmal mehr in die Augen sehen und auch er merkte, dass mit ihr etwas nicht stimmte.

 

„Nervös, wegen der Hochzeit?“ vermutete Everett halblaut und sie verschluckte sich beinahe an ihrem Toast an dem sie schon seit einer halben Stunde herumknabberte.

 

„Ich … uhm … ich glaube, ich werde krank.“ Die Ausrede war lahm, aber ihr war nichts Besseres eingefallen. Selbst Mika spürte, dass mit seiner Herrin etwas nicht stimmte und wich keine Sekunde von ihren Füßen.

 

„Soll ich einen Arzt bestellen?“ Auch Liam war der blasse Ausdruck nicht entgangen und er sorgte sich wirklich um sie, auch wenn er sich nicht sicher war, ob es wirklich nur ein aufkommender Infekt war. Mit sicherem Instinkt ahnte er, dass sein Bruder etwas damit zu tun hatte, nur war ihm noch nicht ganz klar warum.

 

„Ich .. nein danke. Vielleicht ist es doch nur ein nervöser Magen.“ Ein Arzt hatte ihr noch gefehlt. Und ein Wundermittel gegen Liebeskummer war leider noch nicht erfunden worden.

 

„Der Hund muss raus“ entschuldigte sie sich nach weiteren Minuten krampfhaften Schweigens, es keine Sekunde länger mehr aushalten können. Sie konnte das nicht tun! Auf keinen Fall würde sie sie länger hintergehen können.

 

Am Abend würde sie es ihnen sagen. Auch auf die Gefahr hin, dass dann alles aus war. Everett war sicher nicht der Typ, der ihren Vater einfach so im Stich ließe und wenn Liam sie dann nicht mehr heiraten wollte, wäre es auch gut. So konnte es auf keinen Fall weiter gehen.

 

Ihre Beine lenkten sie automatisch zu dem der Hütte, nachdem sie fluchtartig das Haus verlassen und ihr Verlobter ihr stirnrunzelnd nachgesehen hatte.

 

Spike war nicht da und in der Garage fehlte das Motorrad, stellte sie nach einem weiteren Rundgang fest. War er doch gegangen? Niedergeschlagen schlich sie wieder zurück und ignorierte selbst Giles, der gerade das Frühstücksgeschirr abräumte und sie mit einem fröhlichen ‚guten Morgen’ begrüßt hatte.

 

„Kann ich dich kurz sprechen?“

 

Sie wollte sich gerade die Treppe hinauf in ihr Zimmer schleppen, da hörte sie auch schon die Stimme ihres zukünftigen Schwiegervaters hinter sich. Tapfer schluckte sie ihre Tränen herunter und nickte, während sie ihm folgte. Auch gut, so konnte sie es schneller hinter sich bringen. Vermutlich würde sie sowieso gleich ihre Sachen packen müssen.

 

Gehorsam folgte sie ihm in sein Arbeitszimmer und setzte sich auf die breite Ledercouch, auf der sie beinahe verloren wirkte.

 

„Kannst du mir das hier erklären?“

 

Ihr entging nicht der belustigte Unterton in seiner Stimme, aber sie deutete es falsch und schluckte hart, als sie Spikes Feuerzeug in seinen Fingern sah.

 

„Das .. äh … ist… woher … ich meine …“

 

„Rupert fand es beim Betten machen in deinem Zimmer.“

 

Sie wollte es verhindern, aber es gelang ihr nicht und eine tiefe Röte überzog ihr Gesicht. Natürlich hätte sie eine Millionen Ausreden bringen können, aber das wäre nicht recht gewesen.

 

„Everett… Gott … Mr. Montgomery…“ sie war wieder in den höflichen Umgangston gesprungen. Jetzt war es sowieso zu spät, und in wenigen Minuten war es sicher besser ihn wieder zu siezen, davon war sie überzeugt. „Ich glaube, ich muss ihnen etwas erklären. Ich … wir … wollten das nicht, ganz bestimmt und wenn sie mich jetzt rauswerfen, dann ist es auch gut. Nur bitte ich sie um meines Vaters willen, dass …“ erste Tränen rannen ihr über das Gesicht und sie griff geistesabwesend zu dem Taschentuch, dass ihr der ältere Mann vor die Nase hielt.

 

„…und Sie dürfen Spike nicht die Schuld geben, das war ich … und … ich kann mir auch nicht erklären, aber …“

 

Ihr Gestotterte machte keinen Sinn, aber wunderlicher Weise schien Everett genau im Bild zu sein.

 

„Zunächst musst du dich beruhigen Kindchen und nenn mich nicht Mr. Montgomery.“

 

Und dann schaffte sie es tatsächlich alles zu erklären …

 

Es war erstaunlich, wie gefasst der Mann alles aufnahm, fand sie, nachdem sie geendet hatte. Ein paar Mal hatte sie sogar das Gefühl gehabt, dass er die Situation belustigend fand, denn mehr als einmal hatte es verräterisch um seine Mundwinkel gezuckt, doch dann war er mit ernster Miene aufgestanden und hatte Giles zu sich gerufen.

 

„Rupert, bitte sagen sie Liam und Spike, dass sie sich bitte schnellstmöglich hier einfinden sollen“ befahl er in einem Ton, der keinen Widerspruch duldete.

 

Wie ein Häufchen Elend saß sie auf dem Sofa und starrte gebannt auf ihre Schuhspitzen, denn sie wagte es nicht mehr, dem viel zu gutmütigen Everett in die Augen zu sehen. Irgendwo war ihr Gewissen erleichtert, aber gleichzeitig keimte auch Angst in ihr auf. Das Schlimmste würde ihr noch bevorstehen und sie mochte sich nicht ausmalen was nun kommen würde.

 

„Möchtest du jetzt doch noch einen Brandy?“ fragte er mitleidig und konnte sich kaum beherrschen loszulachen. Natürlich war er wütend auf William, aber auch erleichtert, dass das Mädchen wenigstens die Wahrheit gesagt hatte.

 

Buffy nickte dankbar und trank das scharfe Zeug mit einem Schluck. Angenehme Wärme machte sich in ihrem Inneren breit und sie ließ zu, dass ihr der ältere Mann auch nachschenkte.

 

„Mehr aber nicht kleines Fräulein“ mahnte er freundlich, nachdem sie auch das zweite Glas heruntergekippt hatte und ihre Wangen schon ganz rot waren.

 

Liam war der erste den Giles gefunden hatte und sofort in das Zimmer geeilt. Dort sah er gleich das ihn etwas Unangenehmes erwartete, doch als er die Kurzfassung seines Vaters zu hören bekam konnte er nicht anders als hämisch zu aufzulachen.

 

„Und er will mit dir durchbrennen?“ gluckste er laut und wurde von stillen Lachanfällen geschüttelt. Das war einfach zu köstlich.

 

Natürlich war er auch ein wenig enttäuscht, aber er wusste, dass er nicht mehr als Zuneigung für das Mädchen empfand. Und irgendwo war er sogar erleichtert.

 

Wirklich wütend war er eigentlich nur auf seinen Bruder, der so dumme Spielchen mit der Kleinen trieb.

 

„Nein, ich …ja.. weiß nicht…“ krächzte Buffy und starrte ihn an, als ob er wahnsinnig geworden wäre. Was war an der Geschichte denn so lustig? „Vielleicht ist er auch schon weg“ fügte sie hinzu und verknotete ihre Finger ineinander um ruhig zu bleiben.

 

Es dauerte eine weitere halbe Stunde bis Giles auch Spike aufgetrieben hatte.

 

Mit einem grimmigen Gesichtsausdruck zog dieser sich die Motorradhandschuhe aus und warf sie achtlos in eine Ecke.

 

„Was ist los? Der gute Rupie hat es ja tierisch spannend gemacht…“

 

Sein Blick wanderte von Buffy, die mit hochrotem Gesicht auf der Ledercouch saß zu seinem Bruder und Vater, die ihn vorwurfsvoll ansahen.

 

„Nun .. Spike … Buffy hat uns gebeichtet was zwischen euch vorgefallen ist…. Was sagst du dazu?“ brummte Everett und biss sich auf die Unterlippe um nicht loszulachen.

 

„Du hast es ihnen tatsächlich gesagt?“ Nun, das hatte er nicht ernsthaft erwartet und mit wenigen Schritten überwand er die Distanz zu ihr um sich neben sie zu setzen und ihr einen Arm um die Schulter zu legen.

 

„Tja, damit dürfte ja wohl klar sein, dass ich sie nicht heiraten werde … aber vielleicht überlegt es sich WIILIAM…“ Liam konnte sich kaum beherrschen seinem kleinen Bruder nicht eine zu kleben, aber die Situation war auch irgendwo ein wenig witzig, da Buffy immer noch kein Ahnung hatte wer da bei ihr saß.

 

„Nein!“ sie war aufgesprungen und schüttelte vehement den Kopf. „Ich habe die Nase voll. Ich will und werde nicht heiraten. Weder dich…“ sie sah auf Liam „...noch deinen Bruder... es tut mir Leid, aber ich kann das einfach nicht! Everett, ich werde dir alles zurückzahlen sobald ich Arbeit gefunden habe. Behalte Clearwater, aber lass meinem Vater bitte weiter die Behandlung zukommen, die er braucht.“ Ihre Stimme hatte einen flehenden Ausdruck bekommen, so dass der ältere Mann nur nicken konnte.

 

„Ich hätte sowieso nie hierher gehört. Dieses Leben passt einfach nicht zu mir … ich werde jetzt meine Sachen packen…“ Damit war sie auch schon herausgeeilt und hatte die drei Männer allein gelassen, von  denen zwei sich jetzt dem Jüngsten mit bedeutungsvollem Blick zuwandten…

 

„Ich weiß nicht welcher Teufel dich da geritten hat, aber warum um Himmels Willen, hast du ihr nicht gesagt, wer du bist?“ Everett verstand seinen Jüngsten nicht. Doch der junge Mann starrte nur zornig auf die Tür hinter der Buffy grade verschwunden war und ignorierte den vorwurfsvollen Ton seines Vaters.

Was hatte sie da grade gesagt? Sie konnte doch jetzt nicht einfach gehen?

 

Einzig Liam schien zu wissen was in ihm vorging, doch er hatte seine Gefühle besser unter Kontrolle als sein Bruder. „Was hast du jetzt vor? Willst du sie gehen lassen? Ihr sagen wer du bist? Was meinst du, was sie dazu sagen wird? Wie lange hattest du vor dieses Spiel weiter zu treiben? Bis zur Hochzeit? Allein ihrem Pflichtbewusstsein haben wir zu verdanken, dass es nicht soweit kam. Hast du überhaupt einmal vernünftig nachgedacht?“

 

Es war nicht besonders förderlich für Spike die anklagenden, aber durchaus berechtigten Worte grade von seinem älteren Bruder zu hören und stirnrunzelnd wandte er sich ihm zu. „Nein, ich wollte es ihr ja sagen…“

 

„Und wann? Spike, du bist so ein Trottel. Das Mädchen ist das Beste was einem im Leben passieren kann und du versaust es. Ich wünschte sie hätte mich einmal so angesehen wie dich. Hast du gedacht ich bin blind und blöd?“

 

So langsam aber sicher war es auch mit Liams Beherrschung vorbei. Er mochte Buffy, mehr als er zugeben wollte, aber er hatte auch von Anfang an gespürt, dass sie seine aufkeimenden Gefühle nie erwidert hatte. Damit konnte er sich abfinden, aber nicht damit, dass sein Bruder sich ständig aus seiner Verantwortung zog. „Werd endlich erwachsen.“ Knurrte er noch und wollte sich schon abwenden, als er die Faust auf sich zufliegen sah.

 

Geschickt wich er aus und noch bevor Everett dazwischen gehen konnte, hatte er zum Gegenschlag ausgeholt. Spike war viel zu aufgewühlt um zu reagieren und kassierte den schmerzenden Kinnhaken mit einem frechen Grinsen im Gesicht.

 

„Den hab ich wohl verdient?“ Keuchte er und griff seinen Bruder an den Kragen.

„Und ob du den verdient hast. Dad hätte dich vielleicht öfter übers Knie legen sollen, aber stattdessen ließen er und ich dir immer alles durchgehen. Doch diesmal bist du zu weit gegangen….“

 

 

 

Eine halbe Stunde später hatte sie ihre noch vorhandene alte Kleidung gepackt und stand vor dem Arbeitszimmer um sich zu verabschieden, doch sie hörte schon von weitem das zornige Gezeter, so dass sie sich beeilte wieder in das Zimmer zu stürmen. Liam und Spike hatte sich so gut wie an der Kehle, zumindest sah das so aus, da sich beide am Kragen gepackt hielten und mit zornigen Gesichtern aufeinander einschrieen.

 

„Auseinander!“ brüllte sie so laut und ungewohnt, dass beide sofort losließen und erstaunt zu ihr herübersahen.

 

„Bitte…“ sie sah entschuldigend zu Everett, dessen betroffenes Gesicht ihr nicht ganz klar war. „es ist alles meine Schuld.“

 

Jetzt war es um die Beherrschung des Älteren vorbei und er musste laut loslachen.

 

„Nein mein Kind, ist es ganz sicher nicht. Sondern unsere!“

 

Sie verstand nicht und zwinkerte zwischen den Männern hin und her.

 

„Wir haben einfach erlaubt das Spike dieses Spiel spielt und das war unfair. Du solltest jetzt endlich diesen Mechanikerposten räumen“ gluckste er und schielte bei seinem letzen Satz auf den Blonden.

 

„Nein, werf’ ihn nicht hinaus. Er kann wirklich nichts dafür!“ Es tat ihr so leid. Durch ihre Dummheit wurde alles nur noch schlimmer.

 

Schuldbewusst starrte Spike nun an die Decke des Zimmers und Everett wischte sich die letzen Lachtränen aus dem Gesicht.

 

„Nun, leider wird ihn mein Vater ganz sicher nicht hinauswerfen, auch wenn er es verdient hätte…“ brummte Liam und rückte sich seinen Kragen wieder zurecht.

 

Erleichtert seufzte Buffy auf und griff wieder nach ihrer schäbigen Reisetasche. Sie wusste nicht wohin, aber sie musste endlich gehen, das war ihr klar.

 

„Wo willst du hin?“ Spike sah missbilligend auf ihre Tasche und hatte sich ihr sofort in den Weg gestellt.

 

„Weg…“

 

„Du wirst nirgends hingehen.“

 

Irritiert sah sie kurz an ihm hoch und pustete sich frustriert eine Strähne aus dem Gesicht.

 

„Das hast du mir nicht zu sagen!“ schimpfte sie lauthals und schob sich an ihm vorbei aus dem Zimmer.

 

„Warte!“ fauchte er und hielt sie schmerzhaft am Oberarm fest, doch sie schüttelte ihn einfach ab.

 

Er hörte das dröhnende Gelächter seiner beiden engsten Verwandten hinter sich und kochte vor Wut.

 

„Verdammt, gut … dann heiraten wir eben... nicht sofort, aber irgendwann und …“

 

„Und du bist ein Idiot Spike!“ unterbrach sie ihn wütend. „Hast du nicht verstanden? Ich werde nicht heiraten. Niemanden. Ich habe mich in dich verliebt, ja. Aber ich bringe nichts als Ärger und ich will mir erst einmal darüber klar werden. Ich werde dich anrufen.“ Damit stampfte sie an ihm vorbei, das nun unterdrückte Gelächter im Hintergrund ignorierend.

 

„Aber …“ er startete einen letzten Versuch sie aufzuhalten. Verdammt, das verlief alles nicht so wie er gedacht hatte. Wenn er überhaupt nachgedacht hatte in den letzten Tagen. Sie hatten alle Recht, er war ein Idiot!

 

„Ich bin William!“

 

Gut, es war heraus und er versuchte so was wie ein Lächeln zustande zu bringen. Jetzt würde sie sicher nicht mehr gehen wollen.

 

Die große Tasche plumpste auf den Boden und sie drehte sich mit großen Augen zu ihm herum.

 

„Wie bitte?“ Übelkeit breitete sich in ihrem Magen aus. Seine blendend weißen Zähne zeigend breitete er die Arme ein wenig aus, er erwartete wohl, dass sie ihm um den Hals fiel.

 

Die roten Spuren ihrer Hand auf seiner Wange leuchteten und immer noch starrte er zu der Stelle, wo sie bis vor wenigen Minuten noch gestanden hatte. Erst das mitleidige Schulterklopfen seines Bruders brachte ihn wieder zu Verstand.

 

 

 

 

Teil 9

 

 

 

„…. und jetzt suche ich sie schon seit fast zwei Wochen.“

 

Zerknirscht saß der junge Mann in dem freundlich eingerichteten Krankenzimmer und blickte verlegen auf den Boden. Er hatte den älteren Mann nicht mit hineinziehen wollen, aber die letzten Tage waren die Hölle gewesen.

 

Hank Summers trommelte mit seinen Fingern auf der Tischplatte seines kleinen Schreibtisches, der in dem schmalen Raum stand und starrte angestrengt aus dem Fenster.

 

Die Geschichte hätte ihn zum Lachen gereizt, wenn es nicht um seine Tochter gegangen wäre und er überlegte angestrengt, was er von der ganzen Angelegenheit halten sollte. Es ging ihm schon wesentlich besser und die Ärzte gaben ihm eine sehr gute Prognose. Die neuen Medikamente schlugen sehr gut an und er verfiel nicht mehr in die schweren Depressionen. Er hatte immer nur das Beste für Buffy gewollt und sie trotzdem im Stich gelassen.

 

Doch jetzt war es an der Zeit einiges wieder gut zu machen und der Sohn seines Freundes schien zumindest wirklich daran interessiert zu sein einiges wieder gerade zu biegen, was er verzapft hatte.

 

Vorsichtig beugte er sich zu dem jungen Mann mit der auffälligen Haarfarbe und klopfte ihm fürsorglich auf die Schulter.

 

„Sie telefoniert täglich mit mir, aber ich weiß nicht wo sie ist. Aber übermorgen ist der Geburtstag ihrer Mutter und Buffy hat es nie versäumt an diesem Tag frische Blumen auf das Grab zu bringen.“

 

Nun, es war nicht sicher, dass sie es diesmal auch tun würde, aber es war eine Chance und dankbar schüttelte Spike dem ältern Mann die Hand.

 

„Mr. Summers, ich…“

 

„Schon gut mein Junge.“ flüsterte der Ältere und winkte ab. „Ich war auch mal jung und verliebt. Mach ihr nur nie wieder Kummer, hörst du?“

 

****

 

Tief durchatmend trat Buffy an das schlichte Grab heran und legte den Strauß bunter Blumen auf den flach eingelassenen Stein.

 

„Happy Birthday, Mum“ flüsterte sie kaum hörbar und hockte sich dann direkt davor um, wie jedes Jahr, eine stumme Zwiesprache mit ihr zu halten. Schon immer war es ein Ritual gewesen und als sie noch jünger war, hatte sie sich eingebildet, dass ihre Mutter ihr antworten würde. Der Friedhof lag idyllisch zwischen riesigen alten Eichen gelegen, abgeschirmt vom Straßenlärm und schlecht einsehbar.

 

Sie liebte den Geruch von frischer Erde und die Stille, denn nur wenige Menschen waren hier unterwegs, meist ebenfalls mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt und so registrierte auch niemand, wie sie nur da saß und mit der Hand über den rauen Stein strich.

 

Sie seufzte tief auf und blinzelte in die untergehende Sonne, die alles in ein rötliches Licht tauchte und eine friedvolle Stimmung verbreitete.

 

„Mummy, was soll ich nur machen? Ich wollte Abstand gewinnen, aber er geht mir einfach nicht aus dem Kopf. Und dabei ist er ein selbstsüchtiger, arroganter, blöder Arsch – Entschuldigung.“ Sie wusste, dass ihre Mutter nie gerne Flüche gehört hatte und starrte weiter angestrengt auf den Grabstein.

 

Der Schatten der Blätter auf den Bäumen warf ein flirrendes Licht darauf und der eingravierte Engel schien sie beinahe anzuzwinkern, was ihr ein Lächeln über die Lippen huschen ließ.

 

„Ich wünschte du wärst hier und ich könnte mit dir reden. Daddy geht es besser, sogar viel besser! Und heute habe ich gesehen, dass die ersten Renovierungsarbeiten an Clearwater begonnen haben. Mr. Montgomery ist ein furchtbar netter Mensch und es tut weh, dass ich ihn so enttäuscht habe. Aber er sagt, er wäre nicht böse auf mich. Ich habe gestern mit ihm telefoniert und er meinte William wäre seit über einer Woche verschwunden. Vermutlich ist er froh, dass ich abgehauen bin. Oh, ich war ja so dumm gewesen. Verliebe mich gleich Hals über Kopf und dann auch noch in einen der Söhne von Everett, aber genau in den, der mich eigentlich nie wollte. Schönes Spiel, was er da mit mir getrieben hat.“

 

Das Schattenspiel ließ den kleinen Engel jetzt seinen Kopf schütteln und missmutig rupfte Buffy ein wenig Unkraut von dem ansonsten gepflegten Grab.

 

„Mummy, was würdest du mir raten?“

 

„Wahrscheinlich würde sie dir sagen, dass du dem arroganten, selbstsüchtigen, blöden Arsch in den Hintern treten sollst, aber vermutlich hat er nicht einmal das mehr verdient.“

 

Erschrocken sprang sie auf und drehte sich um, sie hatte nicht bemerkt, dass sich jemand genähert hatte.

 

„Spike“ keuchte Buffy und hob abwehrend ihre Hände hoch.

 

„Darf ich mit dir reden?“

 

Nein, schrie alles in ihr und ihr Herz drohte aus dem Hals zu springen. Am liebsten hätte sie ihn umarmt, aber sie verbot es sich selbst und rümpfte nur ihre Nase um ihre Missbilligung zu zeigen.

 

„Dein Dad hat mir gesagt, dass ich dich hier finden kann“ entschuldigte er sich und fuhr sich nervös mit der Hand durch die Haare. Er war so froh gewesen, als sie endlich aufgetaucht war und hatte sich trotzdem zunächst einfach hinter dem Baum versteckt, weil er nicht gewusst hatte, was er sagen sollte. Seine ganze vorbereitete Rede war wie ausgelöscht und das einzige, was er wollte war, sie über die Schulter werfen und ins nächste Motel zu bringen um die nächsten paar Tage nicht mehr aufzutauchen.

 

„Du warst bei meinem Vater?“ Entsetzt riss sie ihre Augen weit auf. „Hast du ihm etwa…?“

 

„Ja, er weiß alles und … verdammt Buffy, mach es mir nicht so schwer. Ich habe dich überall gesucht und bin fast verrückt geworden, weil ich dich nicht finden konnte. Komm mit mir mit nach Hause – bitte.“

 

Er hatte sie gesucht! War gar nicht durchgebrannt wie sein Vater vermutet hatte. Aber so einfach wollte sie es ihm nicht machen, auch wenn alles in ihr danach schrie ihm um den Hals zu fallen.

 

„Warum sollte ich?“ begehrte sie auf und versteckte ihre zitternden Hände hinter ihrem Rücken.

 

„Na weil, weil … weil...“

 

„Weil?“

 

„Mika dich vermisst.“

 

„Ach…“ Sie konnte sich ein Lächeln kaum noch verkneifen, da sie genau wusste, dass es dem Welpen gut ging, Everett hatte es ihr versichert.

 

„Und mein Vater macht sich Sorgen.“

 

„Tut er das?“

 

„Und Liam braucht endlich wieder jemanden, den er im Schach besiegen kann.“

 

„Nun, das sind ja wirklich verdammt gute Gründe“ gluckste sie und biss sich auf die Zunge. „Und was ist mit Giles und Mrs. Bridges? Mit Cordelia?“

 

„Giles ist todunglücklich, weil niemand sonst seinen englischen Tee trinkt, und Mrs. Bridges denkt du bist ohne sie zu Haut und Knochen abgemagert und Cordy…“

 

Gekonnt interessiert sah Buffy zu ihm herüber und sah wie es verdächtig um seine Mundwinkel zuckte. Sie wusste genau, dass Miss Chase sie nicht leiden konnte und sie ganz sicher nicht vermisste.

 

„…äh … Cordy meint jetzt freie Bahn zu haben und macht meinem Bruder schöne Augen, weil du nicht mehr da bist.“

 

Nun, das war nichts Neues, sie hatte die Blicke gesehen, welche die Sekretärin Liam zuwarf, wenn er nicht hinsah, aber Buffy spielte das Spiel mit.

 

„Das kann ich natürlich nicht zulassen“ meinte sie gespielt empört und straffte sich. „Vielleicht sollte ich wirklich mitkommen. Liam und ich könnte noch einmal von vorne anfangen und…“

 

„Buffy…“ seine Stimme klang bedrohlich, aber sie hatte keine Angst, sondern lächelte nur. Sie hatte ihn genau da, wo sie ihn haben wollte.

 

„Aber das ist natürlich Schwachsinn. Ich werde selbstverständlich nicht mitkommen. Vielen Dank für den netten Vorschlag Spike, richte allen meine Grüße aus.“

 

Damit drehte sie sich betont langsam weg und ballte ihre Hände zu Fäusten, als sie den Weg Richtung Ausgang einschlug.

 

„Verdammter Mist, Buffy, bleib stehen“ brüllte er ihr hinterher, doch sie ignorierte ihn und trat tapfer einen Schritt vor den anderen bis er sie eingeholt hatte, nach ihr griff und sie zu sich herumdrehte.

 

„Also gut: ich vermisse dich, ich will dass du zurückkommst und verflucht noch mal, ja, ich habe mich auch verliebt und möchte noch einmal neu anfangen. Reicht das?!“

 

Lächelnd verdrehte Buffy ihre Augen und tat als ob sie überlegen müsste.

 

„Hmmm … mal sehen. Für den Anfang nicht schlecht. Aber kannst du das ganze bitte noch einmal langsam und leise wiederholen und dabei die ganzen Flüche weglassen?“

 

Doch weiter kam sie nicht, da er sie bereits an sich gerissen hatte und heftig seine Lippen auf ihre presste bis sie nachgab und seiner Zunge Einlass gewährte.

 

Minuten später löste er sich wieder keuchend von ihr und registrierte ihr enttäuschtes Seufzen. Ihr Mund war gerötet und ihre Haare zerzaust und wenn sie nicht augenblicklich hier wegkamen würden die wenigen Friedhofsbesucher Zeuge eins nicht gerade schicklichen Schauspiels werden.

 

Eng aneinandergepresst erreichten sie sein Motorrad und er gab ihr fürsorglich seinen Helm als sie hinter ihm aufsaß und ihre Arme um seine Mitte schlang. Sie hatte nicht den Hauch einer Ahnung, ob er jetzt mit ihr zurück nach Sunnydale oder bis nach Alaska fahren würde, aber das war ihr auch egal. Momentan genoss sie nur noch das Gefühl Millionen tanzender Schmetterlinge in ihrem Bauch und dem stummen Versprechen das alles wieder gut würde.

 

 

Epilog:

 

 

Atemlos erreichten sie das Zimmer in dem kleinen Hotel und kichernd ließ sie zu, wie Spike sie hochhob und auf das breite Bett warf, bevor er begann langsam aber zielsicher das enge Kleid mit den vielen winzigen Knöpfen aufzumachen.

 

„Verdammt, gab es das nicht mit Reißverschluss?“ fluchte er und Buffy strich ihm über die zersausten Haare.

 

„Gut, ich werde beim nächsten Mal dran denken“ kicherte sie und stöhnte auf, als er ihr mit der Zunge über den Halsansatz fuhr.

 

„Beim nächsten Mal?“ Skeptisch zog er seine Brauen zusammen und starrte böse auf sie herunter. „Es gibt kein nächstes Mal, dass das klar ist. Du glaubst doch nicht im Ernst, dass ich dich diese Woche aus dem Zimmer lasse und wenn ich mit dir fertig bin, wirst du nie wieder auch nur einen Mann ansehen können ohne an mich zu denken.“

 

„Du bist ganz schön eingebildet, weißt du das?“ Sie versuchte ihrer Stimme einen empörten Ausdruck zu geben, was aber nicht ganz gelang, da er sein Hemd ausgezogen hatte und sie einen fantastischen Ausblick auf seinen wohlgeformten Oberkörper bekam.

 

Was für andere Männer meinte er überhaupt? Ihre Nägel fuhren sanft über seine Haut und mit einem ungeduldigen Knurren riss er an ihren Sachen, dass die winzigen Perlmuttknöpfe nur so durch das Zimmer sprangen. Hastig half sie ihn aus dem störenden Stoff zu kommen, zu sehr sehnte sie sich danach endlich seine Hände auf ihr zu spüren.

 

Es war ein Wunder, dass sie es überhaupt bis auf ihr Zimmer geschafft hatten, doch ihr Verstand setzte erneut aus, als seine Zunge eine feurige Spur bis hinunter zum Zentrum ihrer Lust zog, das schon heiß und willig auf ihn wartete.

 

Sunnydale zur gleichen Zeit

 

„Buffy hat eine Karte geschrieben. Er hat sie gefunden und es geht ihnen gut.“ grinste Everett und gab Liam die bunte Fotografie mit den wenigen Zeilen.

 

Der dunkelhaarige junge Mann las und verzog seine Lippen zu einem breiten Grinsen. „Vegas? Das sieht unserem William ähnlich. Was meinst du, wann sie hier wieder auftauchen werden?“

 

Sein Vater gluckste amüsiert und schenkte sich und seinem Ältesten einen doppelten Brandy ein.

 

„Wenn er schlau ist, lässt er sich noch ein paar Wochen Zeit. Aber dann wird er sich ganz schön umstellen müssen. Ich habe vor ihn ordentlich mit Arbeit zu versorgen, immerhin beginnt er ja Verantwortung zu zeigen.“ zwinkerte er ihm zu und Liam prostete mit seinem Glas in die Luft. „Auf unsere Turteltäubchen“ lachte er und trank es in einem Zug leer.

 

 

Las Vegas, Sunshine Hotel, Honeymoon Suite:

 

Erschöpft brach Buffy auf ihm zusammen und ließ den Orgasmus langsam ausklingen. Sie fühlte sich verschwitzt, aber glücklich und streichelte sanft über Spikes Schultern.

 

„Wie wäre es jetzt mit einer Dusche Mr. Montgomery?“ fragte sie leise und ließ zu, dass er sie fest an sich zog.

 

„Das wäre der dritte Anlauf“ meinte er trocken und hob ein Lid, um in ihre immer noch glasigen Augen zu sehen.

 

Naserümpfend wand sie sich aus seinen Armen und stand schwerfällig aus dem Bett auf.

 

„Außerdem habe ich Hunger, wir könnten uns etwas zu Essen kommen lassen.“

 

„Hm.“ Er legte sich auf die Seite, sah zu wie sie sich einen der bereitgelegten Bademäntel schnappte und dann im angrenzenden Bad verschwand. Er lauschte wie das Wasser anfing zu rauschen und hörte die Tür der Duschkabine klappern, als sich ebenfalls aus dem Bett schwang.

 

Er griff nach dem Hörer und wählte eine Nummer um etwas Essbares zu bestellen, legte auf und ging dann lächelnd hinüber zum Bad.

 

Einige Zeit später klopfte der Kellner zaghaft an der Tür zu der Suite.

 

„Mr. und Mrs. Montgomery? Ihre Bestellung!“

 

Eine Weile lauschte er und wurde dann rot, als er bemerkte um was es für Laute sich da handelte. Also ließ er den kleinen Serviertisch einfach stehen und machte sich schnell wieder davon…

 

Ende